Freischwimmer: Fotografie der Sammlung Viehof & des Museum Kurhaus Kleve 02.10.2020–21.02.2021 27.08.2020

Die Sammlung Viehof zu Gast im Museum Kurhaus Kleve

Die Sammlung Viehof freut sich sehr, die anstehende Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve ankündigen zu dürfen. Nach einer kleinen Kooperation im Rahmen der Beuys-Ausstellung "Werklinien" (2016), in der die Sammlung Viehof dem Klever Haus mehrere Arbeiten zur Verfügung stellte, entstand die Idee eine Ausstellung zu erarbeiten, in der sich beide Sammlungen auf Augenhöhe begegnen. Der Anknüpfungspunkt war schnell gefunden. Fotografie sollte es sein. 

Das Museum Kurhaus Kleve und sein Freundeskreis besitzen sehenswerte fotografische Bestände mit ikonischen Werken von u.a. Thomas Ruff, Thomas Struth, Andreas Gursky oder Jeff Wall, die erst jüngst durch imposante Arbeiten von Wolfgang Tillmans, Candida Höfer oder Matthias Hoch aus der „Stiftung Kunst im Landesbesitz, Nordrhein-Westfalen“ ergänzt wurden.

Im Rahmen der Ausstellung „Freischwimmer“, die von Oktober 2020 bis Februar 2021 in Kleve stattfinden wird, möchte das Museum Kurhaus Kleve erstmals überhaupt seine Bestände innerhalb der Fotografie denen aus dem Besitz der „Sammlung Viehof“ gegenüberstellen, um sinnreiche Parallelen ziehen oder kontrastreiche Gegensätze herauskristallisieren zu können.

Auch die „Sammlung Viehof“ besitzt zahlreiche, mittlerweile als „klassisch“ geltende Positionen der Fotografie von u.a. Ruff, Struth oder Wall, die sie erst jüngst durch Protagonist*innen wie Josephine Meckseper oder Cindy Sherman ergänzen konnte. Die Ausstellung soll einen umfassend interessanten Einblick in vor allem deutsche Fotografie des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts liefern, die bis heute auf dem internationalen Kunstmarkt als wegweisend gilt.

Der Titel „Freischwimmer“, der einer Werkserie von Wolfgang Tillmans entnommen ist, von dem beide Sammlungen Arbeiten in ihren Beständen führen und der somit de facto einen exzellenten gemeinsamen Nenner bildet, soll den Beachtungsdrang kenntlich machen, den die Fotografie jahrzehntelang innerhalb der bildenden Kunst suchte und der heute in der öffentlichen Wahrnehmung endlich hinreichend honoriert scheint.

Die „Sammlung Viehof“ tritt unter diesem Namen erst seit dem Jahr 2015 öffentlich auf, als die Brüder Eugen, Michael, Klaus und Bernd Viehof ihren vorhandenen Bestand zeitgenössischer Kunst neu ordneten. Sie führten bisher getrennt verwaltete Kunstbestände zusammen, die sie durch prominente Einzelwerke aus Privatbeständen erweiterten.

Durch ausgewählte Erwerbungen ergänzte und verdichtete die „Sammlung Viehof“ in den darauffolgenden Jahren ihr unverwechselbares und auf das Rheinland bezogenes Profil. Ihr Bestand, der Gemälde, Arbeiten auf Papier, Installationen sowie Fotografie und Videoarbeiten beinhaltet, umfasst rund 1.100 wegweisende deutsche und internationale Avantgarde-Positionen ab den 1950er Jahren bis heute.

Der Familie Viehof, die sich bewusst gegen ein eigenes Ausstellungshaus entschieden hat, ist es ein Anliegen, eng mit Museen und Ausstellungshäusern zusammenzuarbeiten, Werke zur Verfügung zu stellen, Künstler*innen aus der Sammlung zu fördern und das Rheinland als vibrierenden Standort aktueller Kunstproduktion- und präsentation zu unterstützen. In den letzten Jahren realisierte die „Sammlung Viehof“ viel beachtete Ausstellungskooperationen u.a. mit den Deichtorhallen in Hamburg und der Langen Foundation in Neuss.

Zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen.

 

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Teil der Sammlungsphilosophie ist eine fundierte restauratorische Betreuung aller Kunstwerke, die neben der akuten Schadensbehandlung in erster Linie den Fokus auf die Schadensprävention legt. Dies umfasst die richtige Lagerung, eine mit den restauratorischen Anforderungen abgestimmte Präsentationsweise in Ausstellungen sowie natürlich ein individuelles Handling. Ausgefallene Materialien und Techniken stellen dabei für die Restauratoren und Restauratorinnen, die für die Sammlung Viehof tätig sind, nicht selten neue Herausforderungen dar. Hinsichtlich der Lösungen solcher Aufgabenstellungen gibt es immer wieder Innovationen, die adaptiert werden und somit das Handling stark erleichtern können. Ein Beispiel hierzu gibt der Bereich der großen Leinwandarbeiten.

Unsere Sammlung umfasst neben Gemälden, die dauerhaft aufgespannt sind, auch Arbeiten, die wegen ihrer Größe nur auf Rolle eingelagert und transportiert werden können. Werden diese für eine Ausstellung angefragt, wird die Leinwand am Ausstellungsort unter Anweisungen von Fachleuten aufgespannt. Bei der herkömmlichen Aufspannung wird der Rand der Leinwand an der Seite oder der Rückwand des Spannrahmens angetackert. Somit werden Leinwand sowie Rahmen bei jedem Auf- und Abspannvorgang beansprucht. In Fällen, in denen die ganze Stofffläche bemalt wurde, wird sogar die äußerste Malschicht perforiert. Eine herkömmliche Möglichkeit, den Materialverschleiß wenigstens hinsichtlich des Gemäldes zu verringern ist, einen allseitigen Randsaum anzunähen, der zukünftig als Befestigungsgrund am Rahmen genutzt wird. Es gibt jedoch ein neueres, noch schonenderes Verfahren, bei dem die Leinwand mit einem Magnetsystem aufgespannt wird. Auf den Rahmen werden dünne Metallschienen montiert. Die Leinwand wird zwischen diesen Schienen und starken kleinen Magneten eingeklemmt. Dies bietet den Vorteil, dass kein Eingriff in das Originalmaterial der Leinwand selbst vorgenommen werden muss. 

Die Abbildung links zeigt ein solches, auf Magnet-Aufspannung umgerüstetes Werk, in dem Falle von Jörg Immendorff, dessen Länge über sieben Meter beträgt.

Die Installation Independencia I des peruanischen Künstlers David Zink Yi bezieht sich auf die Unabhängigkeit der rechten von der linken Hand, die für das Spielen der kubanischen Batá Trommel notwendig ist. Zunächst von aus Nigeria stammenden Sklaven des Yoruba- Stammes eingeführt, besteht das Instrument aus einem länglichen, hohlen, Holzzylinder, dessen linke Seite normalerweise für den Rhythmus, die rechte für das Spielen der Melodie benutzt wird. Eine volkstümliche Vorstellung glaubt an eine Gottheit, die im Inneren von Seite zu Seite springt  um den richtigen Rhythmus zu finden.

Die speziell für die Polyphon Ausstellung in der Langen Foundation hergestellte, große Holzbox erlaubt es dem Besucher diese zu betreten und sich zwei sich gegenüberliegende Videoprojektionen mit Rückenansichten zweier Männer anzuschauen. Während der eine im Meer rudert, fährt der andere Fahrrad entlang der Malecón Promenade in Havana, beide erzählen die Geschichte der Batá Trommel. Durch das Betreten übernimmt der Besucher die Rolle des aktivierenden Geistes.

Nach dem Ausstellungsende hat sich die Sammlung Viehof nun entschlossen die Ausstellungsarchitektur zu erhalten, sodass diese zukünftig zusammen mit der Videoarbeit ausgeliehen werden kann. Bei Interesse können Sie sich gerne direkt an uns wenden.