Teil der Sammlungsphilosophie ist eine fundierte restauratorische Betreuung aller Kunstwerke, die neben der akuten Schadensbehandlung in erster Linie den Fokus auf die Schadensprävention legt. Dies umfasst die richtige Lagerung, eine mit den restauratorischen Anforderungen abgestimmte Präsentationsweise in Ausstellungen sowie natürlich ein individuelles Handling. Ausgefallene Materialien und Techniken stellen dabei für die Restauratoren und Restauratorinnen, die für die Sammlung Viehof tätig sind, nicht selten neue Herausforderungen dar. Hinsichtlich der Lösungen solcher Aufgabenstellungen gibt es immer wieder Innovationen, die adaptiert und das Handling stark erleichtern können. Ein Beispiel hierzu gibt der Bereich der großen Leinwandarbeiten.

Unsere Sammlung umfasst neben Gemälden, die dauerhaft aufgespannt sind, auch Arbeiten, die wegen ihrer Größe nur auf Rolle eingelagert und transportiert werden können. Werden diese für eine Ausstellung angefragt, wird die Leinwand am Ausstellungsort unter Anweisungen von Fachleuten aufgespannt. Bei der herkömmlichen Aufspannung wird der Rand der Leinwand an der Seite oder der Rückwand des Spannrahmens angetackert. Somit werden Leinwand sowie Rahmen bei jedem Auf- und Abspannvorgang beansprucht. In Fällen, in denen die ganze Stofffläche bemalt wurde, wird sogar die äußerste Malschicht perforiert. Eine herkömmliche Möglichkeit, den Materialverschleiß wenigstens hinsichtlich des Gemäldes zu verringern ist, einen allseitigen Randsaum anzunähen, der zukünftig als Befestigungsgrund am Rahmen genutzt wird. Es gibt jedoch ein neueres, noch schonenderes Verfahren, bei dem die Leinwand mit einem Magnetsystem aufgespannt wird. Auf den Rahmen werden dünne Metallschienen montiert. Die Leinwand wird zwischen diesen Schienen und starken kleinen Magneten eingeklemmt. Dies bietet den Vorteil, dass kein Eingriff in das Originalmaterial der Leinwand selbst vorgenommen werden muss. 

Die Abbildung links zeigt ein solches, auf Magnet-Aufspannung umgerüstetes Werk, in dem Falle von Jörg Immendorff, dessen Länge über sieben Meter beträgt.

Die Installation Independencia I des peruanischen Künstlers David Zink Yi bezieht sich auf die Unabhängigkeit der rechten von der linken Hand, die für das Spielen der kubanischen Batá Trommel notwendig ist. Zunächst von aus Nigeria stammenden Sklaven des Yoruba- Stammes eingeführt, besteht das Instrument aus einem länglichen, hohlen, Holzzylinder, dessen linke Seite normalerweise für den Rhythmus, die rechte für das Spielen der Melodie benutzt wird. Eine volkstümliche Vorstellung glaubt an eine Gottheit, die im Inneren von Seite zu Seite springt  um den richtigen Rhythmus zu finden.

Die speziell für die Polyphon Ausstellung in der Langen Foundation hergestellte, große Holzbox erlaubt es dem Besucher diese zu betreten und sich zwei sich gegenüberliegende Videoprojektionen mit Rückenansichten zweier Männer anzuschauen. Während der eine im Meer rudert, fährt der andere Fahrrad entlang der Malecón Promenade in Havana, beide erzählen die Geschichte der Batá Trommel. Durch das Betreten übernimmt der Besucher die Rolle des aktivierenden Geistes.

Nach dem Ausstellungsende hat sich die Sammlung Viehof nun entschlossen die Ausstellungsarchitektur zu erhalten, sodass diese zukünftig zusammen mit der Videoarbeit ausgeliehen werden kann. Bei Interesse können Sie sich gerne direkt an uns wenden.

Katalog zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg 01.10.2016 - 22.01.2017 14.02.2017

Mit der Sammlung Viehof präsentierten die Deichtorhallen Hamburg vom 1. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017 an zwei Standorten, der Halle für aktuelle Kunst und der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg, die Sammlung Viehof. Durch rund 560 Werke von 75 Künstlern wurden die Deichtorhallen in ein temporäres Museum der Gegenwartskunst verwandeln.

Die Sammlung Viehof, in die wichtige Teile der Sammlung Speck und Sammlung Rheingold eingeflossen sind, vereint Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Installation und Video mit Schwerpunkt auf deutsche Kunst von der Nachkriegszeit bis heute. Im Zentrum der Ausstellung stehen hochkarätige Konvolute einzelner Künstler, darunter Georg Baselitz, Joseph Beuys, Candida Höfer, Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Daniel Richter und Rosemarie Trockel.

Die vollständig aus den Beständen der Sammlung gebildete und von Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow kuratierte Überblicksschau zeigte erstmals die Tiefe dieser Sammlung in einem Überblick: vom Minimalismus, für die Namen wie Carl Andre oder Dan Flavin stehen, über die 1980er Jahre in Köln, die von Walter Dahn, Georg Herold, Martin Kippenberger oder Albert Oehlen geprägt worden sind, die Düsseldorfer Fotoschule mit Candida Höfer, Thomas Struth, Thomas Ruff und Jörg Sasse bis hin zum zukunftsträchtigen Feld figurativer Kunst des 21. Jahrhunderts, das mit exemplarischen Werken von Peter Doig, Neo Rauch, Daniel Richter, Tal R, Corinne Wasmuht und vielen anderen mehr vertreten war.

Der Katalog zur Ausstellung ist weiterhin im Snoeck Verlag zu einem regulären Preis von 58 Euro erhältlich. Herausgegeben von Dirk Luckow, Essays von Philipp Kaiser, Dirk Luckow, Susanne Titz, Wolfgang Ullrich sowie Kurztexte zu einzelnen Sammlungsschwerpunkten. 360 Seiten, 300 farb. Abbildungen.

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