Klein, Astrid CUT VII, 1986/1996
Transparent/ Film 280 x 420 cm

Text zum Werk

Bereits in den 1980 Jahren entwickelt Klein eine neue, großformatige Werkgruppe auf Transparentfilm, die jedoch erst 1996 mit der CUT I-VII Gruppe als Digitalbelichtungen umgesetzt wird. Der Bildträger präsentiert sich hier in der für Klein typischen Kombination und Überlagerung von digital bearbeiteten Bild- und Textelementen in der die Sichtbarmachung des Montageprozesses sowie die Lichtdurchlässigkeit des Transparents auch die Montage des Bildinhaltes unterstreicht.

In CUT VII (1986/96) benutzt Klein ein Zitat aus Stephen Hawkings Modell der imaginären Zeit, in der es weder Urknall noch Kollaps geben kann: "In der imaginären Rechnung der Zeit muß es keine Singularitäten geben". Diesem stellt sie ein anscheinend aus einem Zeitungsartikel ausgeschnittenes Foto des Autos des 1977 durch die RAF entführten und anschließend ermordeten Arbeitsgeberverbandspräsidenten Hanns Martin Schleyer gegenüber. Der aufgeschnittene Text hebt die Wörter „imaginär“ und „Singular“ hervor während das „täten“ durch die Schriftwahl auch als „töten“ gelesen werden kann. Durch die Gegenüberstellung verschiebt sich die Schleyerentführung somit vom singulären Ereignis der Tagespresse zu generellen Thematisierung von politisch motivierter Gewalt und Machtstrukturen.

 

Künstler

Geboren 1951 in Köln. Lebt und arbeitet in Köln.

Nach einer Ausbildung an den Kölner Werkschulen bis 1977 ist Astrid Klein heute als freischaffende Künstlerin tätig. Von 1993 bis 2017 hatte sie eine Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Im Lauf ihrer Karriere wurden ihre Arbeiten mehrmals mit Preisen ausgezeichnet unter anderem mit dem Käthe-Kollwitz-Preis (1997) und dem Helmut-Kraft-Preis (2000).

„Facetten der Erinnerung an Geschichte, Gegenwart und ein durch Sprache und Archiviertes geformtes kulturelles Gedächtnis prägen die Werke […] Astrid Kleins. Ihre Arbeiten folgen den Regeln der Montage, sie verfremden das überlieferte Bild und ermöglichen einen ganz eigenen Raum der ästhetischen Erfahrung. Die fotografische Vorlage verliert bei Klein ihren dokumentarischen Charakter. Ihre erzählerischen Logik beraubt, wird sie zum monumentalen Zeichen und tritt in Konkurrenz zu mythenreichen Malerei, um im Gefühl existenzieller Ausweglosigkeit historische und politische Wirklichkeiten zu erkunden. Kleins Werke schließen die Fotografie für uns auf, lenken unseren Blick auf die Darstellung, auf das Grobkörnige, Unscharfe, Konstruierte. Sie zeigen erstarrte Bewegungen – Zeugnisse von Unterdrückung, Exzess, Einsamkeit und Verdrängtem-, gleich dem erträumten Ende realer Bildreisen.“

Dirk Luckow; in: Astrid Klein: transcendental homeless centralnervous; Hrsg.: Zwirner, Dorothea; Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2018, S. 7