Herold, Georg Mountains of Cocaine (Prototyp I), 1990
Styropor, Holz, Epoxidharz, Backpulver Maß: Höhe 159 cm, Durchmesser 95 cm Courtesy: © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 Foto: Egbert Trogemann

Text zum Werk

"Vor seinen Kunststudien in München und Hamburg absolvierte Georg Herold noch in der DDR eine zweijährige Ausbildung als Schmied, was sowohl die handwerkliche Schnörkellosigkeit als auch die präzise Wirkung seiner Skulpturen, Bilder und Installationen erklären mag. Die Wucht, mit der Herold einen krematoriumsartigen »Schlot (Im Arsch ist’s finster)«, 1984, auftürmt, einen dicken Packen Holzbalken an die Wand heftet (»Das dicke Licht«, 1986) oder einen »Mountain of Cocaine« (1990, aus Polyester) errichtet, geht aus seinem direkten, fast handwerklichen Zugang zu Materialien und Dingen hervor."

Aus: Ausstellungsankündigung: Staatliche Kunsthalle Baden-Baden: Georg Herold, 5.3. – 9.4.2005,
www.kunsthalle-baden-baden.de/programm/show/27

Künstler

Georg Herold
geboren 1947 in Jena
lebt und arbeitet in Köln

Georg Herold studierte nach einer abgeschlossenen Schmiedeausbildung in der DDR von 1977 bis 1983 bei Sigmar Polke an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. In den frühen 1980er Jahren stellte er gemeinsam mit Albert und Markus Oehlen, Werner Büttner und Martin Kippenberger den aktuellen Boom des Kunstmarktes in Frage. Von der Gruppe der "jungen Wilden" distanzierte sich Herold jedoch und entwickelte seinen eigenen minimalistischen Stil, in dem er einfache Alltags- und Gebrauchsmaterialien wie zum Beispiel Dachlatten und Ziegelsteine verwendet. Seit 2000 hat Georg Herold eine Professur für Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie inne.

"Herold ist kein Maler, obwohl er Bilder macht, keine Bildhauer, obwohl er Skulpturen und Installationen schafft, kein Architekt, obwohl er baut. In ihm verkörpert sich die Negation des Künstlertums akademischer Traditionen. Alle seine Arbeiten basieren auf dem Prinzip der Collage oder Montage. Ihr sperriger Charakter verdankt sich der Kombination nicht zusammengehöriger Dinge. Nicht um Innovation und Originalität geht es primär, sondern um Differenz und Widerspruch. Es ist durchgängig eine konzeptuelle Kunst mit Widerhaken, die den Betrachter nicht vereinnahmen will, sondern seinem schnellen Verständnis Barrieren entgegenstellt. Es ist eine Kunst, die keine unmittelbare Begeisterung auslöst, sondern auf Distanz abhebt. Entschädigt wird man freilich durch formale Klarheit und intellektuelle Faszination, wobei das Abgründige, Grotestke, Anarchistische, aber auch das Frivole, Abseitige und Banale zutage treten. Witz und Ironie prägen etliche Werke und manchmal wohl auch Schabernack oder schierer Blödsinn. Die Verweigerung aller eingängigen Momente, die triviale Gegenständlichkeit, das Imperfekte als Kriterium höheren Gelingens, die Ästhetik des Behelfs, die völlige Ausblendung attraktiver Sujets, das Hermetische mancher Installationen, das lustvolle Zitieren des Vordergründigen, das Spiel mit dem Doppeldeutigen, Abstrusen, Paradoxen prägen sein Leben ebenso wie die verblüffenden Sprachfallen, Wortschöpfungen und Sinnverschiebungen. Dass es vielfältige Verbindungen zu Dadaismus und Surrealismus gibt, liegt auf der Hand."

Armin Zweite, in: Multiple Choice - Georg Herold, Hrsg.: Zweite, Armin; Snoeck-Verlag 2012, S. 7