Kounellis, Jannis OHNE TITEL (LIBERTA O MORTE W MARAT W ROBESPIERRE), 1969
Stahlplatte mit Kreideaufschrift und Kerze Objektmaß: 100 x 70 x 22 cm Courtesy: © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 Foto: Egbert Trogemann

Text zum Werk

"Auf die einem Epitaph gleichende, 100 x 70 Zentimeter messende Tafel hat Kounellis mit zögerlicher, sich selbst auslöschender Schrift unter »Liberta o Morte« – Freiheit oder Tod – die Namen der beiden jakobinischen Protagonisten der Französischen Revolution Marat und Robespierre geschrieben, die ihre sozialen Utopien mit Terror durchsetzten und dann ihrerseits ermordet wurden. Die flackernde, immer wieder abbrennende Kerze fungiert nicht allein als ein traditionelles Memento mori, sondern ebenfalls als – wenn auch schwaches – Licht der Aufklärung. Liberta o Morte kann auch als eine Aufforderung zur Tat gelesen werden, die erfahrungsgemäß mit dem Tod enden wird."

Angela Schneider, aus: Jannis Kounellis; Hrsg.: Neue Nationalgalerie Berlin, 2007

Künstler

Jannis Kounellis (Iannis Kounellis)
geboren 1936 in Piräus
lebt und arbeitet in Rom

Seine künstlerische Ausbildung begann Kounellis an der Athener Kunsthochschule. 1956, im Alter von zwanzig Jahren, wanderte er auf Grund der gespannten politischen Situation nach Italien aus, wo aus "Iannis" Jannis wurde. Hier setzte er sein abgebrochenes Kunststudium an der Accademia di Belle Arti fort. Während der ersten Jahre in Rom entstanden vorwiegend Schrift-, Zahlen- und Buchstabenbildern, deren Entstehung durch das gleichzeitige Singen von Buchstaben und Nummern eher einer Performance glich. 1960 wurden diese Werke in der Galleria La Tartaruga in Rom ausgestellt. Verstärkt wendete sich Kounellis nun der Aktionskunst zu und begann ab 1963 neue alltägliche Materialien wie Kartoffelsäcke, Schrot, Erde, Holz, Wolle, Glas oder Kohle in seine Kunstwerke zu integrieren. Ab 1967 wird er somit zum Mitbegründer und gleichzeitig wichtigsten Vertreter der Arte Povera. Charakteristisch für Kounellis' Werke war die dialektische Wirkung seiner Werke, die aus der gegensätzlichen Kombination von natürlichen organischen Stoffe wie Stein, Kohle, Wolle oder Haare mit gefundenen vorgefertigten Gegenständen wie Betten, Holzpaletten oder Eisenplatten entstand. 1972 nahm Kounellis auf der Dokumenta teil, in diesem Jahr fand auch seine erste Einzelausstellung in der Sonnabend Gallery in New York statt.