Renner, Lois Irdischer Amor 1000, 2002
C-Print Bildmaß: 225 x 180 cm Courtesy: Kewenig Galerie, Berlin Foto: Lois Renner

Text zum Werk

"In Lois Renners Werk gibt es zahlreiche autobiographische Bezüge in bestimmten Objekten wie dem Feuerlöscher oder der Leiter, die in seinen Bildern immer wieder auftauchen. Es sind Erinnerungen an Gegenstände, die sich in seinem früheren Atelier oder in seinem Elternhaus befunden haben. Renners Arbeiten können deshalb als eine Art Porträt seiner ehemaligen Umgebung verstanden werden, einem Abschnitt, den er verlassen hat und der nunmehr als Raummodell und in Fotografien weiterlebt. Der Künstler zeigt uns mit den endlosen Variationen seines ehemaligen Ateliers eine Schöpfung seiner realen Lebenswelt, die gleichzeitig die Sehnsucht nach Idealbildern birgt. Mit der Einrichtung seiner Modellbauten schafft Renner eigene Realitäten, bildimmanente Wirklichkeiten, die Bühnenbildern vergleichbar sind. So wie das Bühnenbild im Theater vergänglich ist, so kurzlebig bleiben auch die Konstellationen seiner jeweiligen Modellbauten. Sie sind nicht starr und unvergänglich, sondern ständiger Veränderung unterworfen."

Rupert Pfab: A poem of reality; in: Louis Renner - Bilder 1991 - 2002. Maribel Königer (Hrsg.), Hatje Cantz, 2003, S.14

Künstler

Lois Renner
geboren 1961 in Salzburg
lebt und arbeitet in Wien

Nach einer Lehre als Schriftenmaler besuchte Renner 1981 bis 1984 die Meisterschule für österreichisches Malerhandwerk in Baden bei Wien und nahm danach ein Studium an der Hochschule Mozarteum auf. 1995 wechselte er an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er Malerei bei Karl Kneidl, Rissa und Gerhard Richter studierte. 1992 wurde erhielt er als jüngster Preisträger den Monsignore Otto Mauer-Preis, den bedeutendsten österreichischen Kunstpreis. Heute ist Lois Renner einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Österreichs.

"Louis Renners künstlerische Vorgehensweise ist einer wissenschaftlichen Methode vergleichbar. Sein Interesse kreist [...] unablässig um das Modell eines Atelierraums, das man als "Urzelle" bezeichnen könnte. Damit ist ein Künstlerstudio gemeint, das er in der Größe von circa einem Kubikmeter für seine Fotografien nachbaut, was in etwa dem Maßstab 1:10 entspricht. An diesem Modell werden dauernd Variationen und Szenarien erprobt, zahllose Versuchsaufnahmen gefertigt und mit Lichtsituationen und Raumausstattung experimentiert. Die so entstehenden Anordnungen von Interieurs werden fotografiert und von verschiedenen Blickwinkeln ins Bild gesetzt. Dabei variiert der Künstler auch häufig den Abstand zum Modell, um extreme Nahsichten, als auch Blicke aus größerer Distanz zu ermöglichen. Gerade die unterschiedliche Kamerapositionen sind es, die zu Blickirritationen führen, denn nie geht es ihm um die formale Beziehung der Dinge zueinander, sondern um das Spiel mit der Wahrnehmung von Realem und Fiktionalem. In altmeisterlicher Manier bereitet er seine Versuchsanordnungen sorgsam vor, vertraut dabei aber darauf, dass alle Planung doch wieder zu etwas Frischem, Beweglichem, Leichtem und Faszinierendem führen wird. "

Rupert Pfab: A poem of reality, in: Louis Renner - Bilder 1991 - 2002. Maribel Königer (Hrsg.), Hatje Cantz, 2003, S.7