Albert Oehlen /Jonathan Meese Beine, 2003
Öl, Injekt auf Holz Bildmaß: 208 x 280 cm Courtesy: Contemporary Fine Arts, Berlin / © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 Foto: Jochen Littkemann

Text zum Werk

Johanna Adorján im Gespräch mit Albert Oehlen und Jonathan Meese, 2005:

Adorján: Mal ganz praktisch: Wie arbeiten zwei Künstler zusammen? Leere Leinwand. Jemand fängt an. Wie? Was ist da vorher vereinbart und abgesprochen?

Oehlen: Das funktioniert ungefähr so wie jetzt gerade.

Meese: Ja, man spielt den Ball irgendwohin...

Oehlen: Und guckt dann so seitlich hinterher.

Meese: Und manchmal kommt er wieder zurück.

Adorján: Einer sagt: Collage! Und guckt dann mal, wie der andere darauf reagiert.

Oehlen: Wir wussten am Anfang nicht, was wir machen würden. Die Ahnung, dass sich die Zusammenarbeit lohnen könnte, kam von dem Material, das Meese benutzt hat. Da gab es eine Verbindung.

Quelle: Museum Abteiberg (Hrsg.), Rheingold III, 2005, S. 75

Künstler

Albert Oehlen
geboren 1954 in Krefeld
lebt und arbeitet in Köln, La Palma, Spanien und in der Schweiz

Albert Ohlen studierte 1977 bis 1981 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Claus Böhmler und Sigmar Polke. Mit dem befreundeten Künstler Werner Büttner gründete er die "Liga zur Bekämpfung des widersprüchlichen Verhaltens" und wurde der Gruppe der "Jungen Wilden" zugeordnet. Die Zielsetzung: die Malerei von jeglicher Bedeutung zu befreien. Die Bilder sollten auf nichts außer sich selbst verweisen.
Doch Mitte der 80er tritt Oehlen mit der Teilnahme an der Ausstellung "Von hier aus" in die Welt des Kunstbetriebes. Ende der 80er Jahre wandelt sich seine groben, emotionsgeladenen, dumpfen Bildinhalte. Die Bilder werden klarer, verzichten jedoch auf räumliche Komposition, Fluchtpunkte und Mitten. In den 90er Jahren entstehen die Bilder nun sogar mit Hilfe des Computers, verwehren so den persönlichen Duktus und jegliche Emotionen.

Jonathan Meese
geboren 1970 in Tokio, Japan
lebt und arbeitet in Ahrensburg und Berlin

In Tokio geboren kehrte Jonathan Meese Mitte der 70er Jahre mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Deutschland zurück. Nach seinem Abitur schloss er ein Studium der Volkswirtschaft an, das er jedoch schnell wieder abbrach und sich dann der Kunst zuwendete.
Nach ersten Zeichenkursen begann Jonathan Meese 1995 bis 1998 ein Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, das er jedoch ohne Abschluss abbrach. Der befreundete Maler Daniel Richter empfahl Meese an die Galerie Contemporary Fine Arts in Berlin, die diesen unter Vertrag nahm. Es folgten Einzelausstellungen. Auf der Berlin Biennale zog der junge Künstler das erstmals eine breitere Aufmerksamkeit auf sich. Meese nahm nun ab 1999 an einer Vielzahl nationaler und internationaler Gruppen- und Einzelausstellungen teil. Ab 2004 wandte sich Meese, der sich zuvor stark mit Installationen, Aktionen und Performances beschäftigt hatte, auch der Theaterbühne zu. Er entwarf Bühnenbilder und arbeitete als Regisseur. Meese gilt als exzentrischer Selbstdarsteller, der meist selbst im Fokus seiner Werke und Aktionen steht. Die provokativen Inhalte greifen oft auf nationalsozialistische Symboliken aber auch deutsche Mythologie, Philosophie- und Literaturgeschichte zurück.