Struth, Thomas Paradise 19, 1999
C-Print Rahmenmaß: 179,5 x 223 cm , Bildmaß: 169,5 x 213,1 cm Courtesy: Thomas Struth Foto: Thomas Struth

Text zum Werk

Paradise heißt eine Fotoserie, die den Regenwald in Brasilien, Japan, China und Australien zeigt. So haben wir uns den Dschungel immer vorgestellt, die Wärme, das satte Immergrün. Gleichzeitig weiß man, dass der Dschungel mit seinem menschenfeindlichen Klima, den Schlangen und Insekten die Hölle ist. Das Gegenteil des Paradieses. Ob Hölle oder Paradies, die Ursprünglichkeit dieser Wälder ist bedroht, der bei Struth unsichtbare Homo sapiens ist dabei, sie zur Strecke zu bringen.

Veit Loers, aus: Paradies und Zurück, Sammlung Rheingold in Schloss Dyck, Hrsg: Sammlung Rheingold, Snoeck-Verlag 2008, S. 18

Künstler

Thomas Struth
geboren 1954 in Geldern
lebt und arbeitet in Berlin und New York

"Von 1973 bis 1980 studierte Thomas Struth an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. 1978 erhielt er das erste von der Kunstakademie Düsseldorf vergebene Stipendium für New York City, wo eine Serie von schwarzweißen Stadtlandschaften entstand, welche er 1978 in seiner ersten Einzelausstellung im P.S.1, New York, präsentierte.
Mitte der 1980er Jahre begann er eine Serie von Schwarzweiß- und Farbporträts von Einzelpersonen und Familien, die seine Vorstellung von der Fotografie als Werkzeug wissenschaftlichen Ursprungs zur psychologischen Erforschung veranschaulicht. Diese fortlaufende Arbeit untersucht zum einen persönliche und kulturelle Dynamiken, die unsere Selbstwahrnehmung konditionieren, zum anderen überprüft sie, wie unsere individuellen und kollektiven Identitäten diese Wahrnehmung beeinflussen.
In der Folge der Porträtarbeiten und unter dem Eindruck der wachsenden Popularität der zeitgenössischen Kunst entwickelte Struth seine bekannteste Werkgruppe, die Museum Photographs (1989–2005): In großformatigen Farbfotografien fängt er in den weltweit bedeutendsten Museen Individuen und Menschenmengen ein, die auf ikonische Werke der westlichen Kunst blicken. Diese Bilder kennzeichnen den Museumsbesuch als einen komplexen sozialen Ritus des Sehens und Gesehenwerdens und thematisieren das Überleben der Werke in öffentlichen Sammlungen.
In den letzten fünfzehn Jahren hat Struth sein Repertoire um weitere Themenkreise erweitert. Darunter zu nennen sind: New Pictures from Paradise (1998–2007), religiöse und touristische Versammlungsorte (ab 1998) und seit 2007 Bilder aus den Bereichen Grundlagenforschung, Wissenschaft, industrielle Produktion und Technik, in denen es darum geht, wie sich Fortschrittsglaube als gruppendynamischer Vorgang plastisch darstellt.
Umfangreiche Einzelausstellungen seiner Arbeiten wurden u. a. in der Kunsthalle Bern (1987), im Institute of Contemporary Art, Boston (1994), im Carré d’Art – Musée d’Art Contemporain de Nîmes (1998), im National Museum of Modern Art Tokyo und Kyoto (2000), im Dallas Museum of Art (2002), im Museo del Prado, Madrid (2007) sowie im Metropolitan Museum of Art, New York (2003 und 2014) präsentiert.
Eine große Retrospektive wanderte vom Kunsthaus Zürich (2010) über die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20, Düsseldorf (2011), zur Whitechapel Gallery, London (2011), und dem Museu Serralves in Porto (2011/12)."

Text: Atelier Thomas Struth, Berlin
www.thomasstruth32.com