Zur Person
geboren 1955 in Leipzig
lebt und arbeitet in Düsseldorf
Andreas Gursky kommt aus einer Familie von Werbefotografen. Sowohl sein Großvater als auch sein Vater übten diesen Beruf aus. Dieser Richtung folgend studierte Gursky von 1978 bis 1981 visuelle Kommunikation an der Universität-Gesamthochschule Essen. In dessen Anschluss wechselte Gursky an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er bei Bernd Becher studierte, dessen Meisterschüler er ab 1985 bis 1987 war. Die Gruppe der Becherschüler Axel Hütte, Jörg Sasse, Thomas Struth, Candida Höfer und Thomas Ruff sollte später den Begriff der Düsseldorfer Fotoschule prägen.
2010 wurde der Fotokünstler dann selbst als Professor für "Freie Kunst" an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. Seit 2007 ist er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters sowie seit 2012 Mitglied in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Heute zählt Andreas Gursky zu den international wichtigsten Fotografen.
"Fotografie ist bei Andreas Gursky weniger ein Medium der Abbildung, sondern vielmehr - entgegen unseren Sehgewohnheiten - ein Medium zur Konstruktion von Wirklichkeit. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Ansammlung von Menschen und den Stätten ihrer Zusammenkunft, auf den Strukturen der globalisierten Welt sowohl der Produktion, des Handels als auch des Konsums und der Freizeitgesellschaft."
aus: Bernhard Mendes Bürgi, Andreas Gursky -. Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Basel, 2007 - 2008, S. 45
Text zum Werk
Das Werk "Lützerath" entstand während der letzten Proteste gegen den Braunkohletagebau und setzt sich mit der jüngsten Umweltbewegung auseinander. Zwischen 2020 und 2023 wurde das in Nordrhein-Westfalen gelegene Dorf Lützerath von Klimaaktivisten besetzt, um die Erweiterung des Tagebaus Garzweiler II zu verhindern. Während sich die Aktivisten schwer erreichbar in Baumhäusern, Hängematten und Plattformen in den Bäumen positioniert haben, werden im unteren Bildrand Kräne, Absperrzäune, Polizei und Sicherheitskräfte gezeigt, deren Ziel ist es, das Gelände zu räumen.
Wie bei Andreas Gursky üblich, besticht das Werk durch riesige Maße und eine extreme Detailschärfe. Gursky verwandelt ein tagespolitisches Ereignis in ein zeitloses, historisches Monumentalgemälde, in dessen Aufbau er explizit Bezug auf das apokalyptische Gewimmel in dem Gemälde "Sturz der rebellierenden Engel" von Pieter Brueghel d. Ä. nimmt. Damit hebt er das Werk inhaltlich vom aktuellen politischen Kampf auf eine existentielle Ebene, in der es um den Kampf Gut gegen Böse, Ordnung gegen Chaos geht.