Gregor Gleiwitz in der Sammlung Viehof 27.07.2026
Gregor Gleiwitz in der Sammlung Viehof

Gregor Gleiwitz
28.09.2023
Öl auf Leinwand
155,4 x 125,5 cm
© Gregor Gleiwitz
Courtesy: The artist & Setareh, Düsseldorf 

Die Sammlung Viehof hat jüngst Werke des 1977 geborenen Malers Gregor Gleiwitz in den Bestand aufgenommen. Von 2019 bis 2020 war Gleiwitz Teil der Ausstellungsreihe Jetzt! Junge Malerei in Deutschland, die im Kunstmuseum Bonn, im Museum Wiesbaden, in den Kunstsammlungen Chemnitz - Museum Gunzenhauser sowie in den Deichtorhallen Hamburg gezeigt wurde. Die Ausstellung bot einen analytischen Querschnitt durch die in Deutschland entstandene zeitgenössische Malerei und versammelte prägende Positionen einer jüngeren Künstlergeneration.

Das Œuvre von Gregor Gleiwitz umfasst sowohl monumentale Großformate als auch fein ausgearbeitete kleinere Arbeiten. Kennzeichnend für sein Werk ist eine spezifische formale und konzeptionelle Malweise, wobei die Titel stets auf das Datum der Fertigstellung verweisen. Ausgehend von einer gestischen Abstraktion, die organische Naturformen aufgreift, entwickelt Gleiwitz semi-abstrakte Bildwelten. Aus Schichten von Pinselstrichen, Kratzern, Linien, pastos aufgetragener Farbe und Farbflächen treten hybride Formen hervor, die die menschliche Sehnsucht nach Wiedererkennbarkeit ebenso ansprechen wie das Bedürfnis nach figurativen Motiven.

Mit dem Ankauf dieser Werke erweitert die Sammlung Viehof ihren Bestand um eine bedeutende Position der jüngeren deutschen Malerei. Die Einbindung jüngerer Künstlerinnen und Künstler stellt dabei einen wesentlichen Aspekt der Sammlungstätigkeit dar. Sie verankert die Sammlung nicht nur in der Gegenwart, sondern ermöglicht zugleich die fortlaufende Nachzeichnung von Künstlergenerationen, die miteinander im Dialog stehen, sich gegenseitig beeinflussen oder sich bewusst voneinander abgrenzen. Auf diese Weise wird die Entwicklung künstlerischer Fragestellungen über Generationen hinweg sichtbar und nachvollziehbar.

Thomas Struth in der Sammlung Viehof 22.07.2026
Thomas Struth in der Sammlung Viehof

Thomas Struth
Beam Line Zone 1, EHN 1, CERN, Prévessin-Moens, 2021
Inkjektprint
170 x 436,3 cm
© Thomas Struth

Mit ihrem jüngsten Ankauf erweitert die Sammlung Viehof ihren umfangreichen Bestand der Fotografien von Thomas Struth um eine weitere Position, bei der sich es zugleich um die bislang größte fotografische Arbeit des Künstlers im Bestand handelt. Das technische Motiv ergänzt die Naturdarstellungen der 101-teiligen Winterthur-Serie sowie die Serie der Paradiese.

"Beam Line Zone 1" ist mit seinen Maßen von ca. 170 x 436 cm extrem großformatig. Es zeigt eine Teilchenstrahllinie in der großen Versuchshalle EHN1 (Experimental Hall North Area 1) am CERN. In der panoramischen Ansicht werden das technisches Chaos – Kabel, Rohre, Magnete – in einer fast ordnungsgemäßen, ästhetischen Struktur eingefangen. Es ist der Mensch, der hier die physikalischen Gewalten zu beherrschen und zur kanalisieren sucht. 

 

Jörg Sasse im Ruhr Museum, Essen 26.03.2026
Jörg Sasse im Ruhr Museum, Essen

Installationsansicht: SPEICHER II im Ruhr Museum in Essen
Foto: © Jörg Sasse
Courtesy Galerie Wilma Tolksdorf / Jörg Sasse

Jörg Sasse, der von 2003 bis 2007 eine Professur für Dokumentarfotografie an der Folkwang Universität der Künste innehatte, bringt mit SPEICHER II ein Werk ins Ruhr Museum, das Fotografie, Skulptur und Archiv auf besondere Weise verbindet.

Die Dauerausstellung des Ruhr Museums zeigt auf der 17-Meter-Ebene zeitgenössische Phänomene vor allem in Fotografien. Der SPEICHER II tritt mit dieser Präsentation in einen offenen Dialog und erweitert sie um eine interaktive Dimension. Der SPEICHER II ist ein mobiles Depot (Maße 190 x 150 x 90 cm), das von allen vier Seiten zugänglich ist. Dem Prinzip einer digitalen Bilddatenbank folgend ist er quasi ein dreidimensionales, begehbares Fotoarchiv. In ihm sind 512 gerahmte Fotografien aus dem Ruhrgebiet der 1950er- bis 2009er-Jahre untergebracht, welche mithilfe von 56 Kategorien, wie zum Beispiel Alltag, Arbeitsplätze, Bewohner, Innen und Außen, Rituale, Winter, Wohnhäuser oder Zuhause, von den Besucherinnen und Besuchern ausgewählt und kombiniert werden können. Die Fotografien stammen teils aus anonymen Quellen oder fotografischen Nachlässen aus dem Ruhrgebiet, teils vom Künstler selbst. Aus ursprünglich rund 2.000 Bildern wurde eine Auswahl getroffen und anschließend so bearbeitet, dass sie in ihrer visuellen Erscheinung zusammenwirken.

[...] Ab sofort spricht das Ruhr Museum jeden Donnerstag um 15.30 Uhr eine "Einladung zum Bilderhängen" aus. Gemeinsam mit einer Gästeführerin oder einem Gästeführer suchen Besucherinnen und Besucher Fotografien aus dem SPEICHER II aus. Die gewählten Bilder werden aus dem Archiv entnommen, neu kombiniert und zu einer eigenen Präsentation zusammengestellt. Anschließend finden sie ihren Platz an der Wand neben dem SPEICHER II. So entstehen immer wieder überraschende Bilddialoge, neue Perspektiven und unerwartete Zusammenhänge [...].

Quelle: Press Release Ruhr Museum, Essen

>> zur Ausstellung, Webseite Ruhr Museum 
>> Jörg Sasse im Gespräch - Ein Interview 

Sabine Moritz in der Sammlung Viehof 16.01.2026
Sabine Moritz in der Sammlung Viehof

Sabine Moritz
Columbus, 2025
200 x 200 cm 
Öl auf Leinwand

Foto: Farbanalyse
© the artist // Courtesy of the artist and Pilar Corrias, London

Eine der jüngsten Angliederungen an die Sammlung Viehof ist ein Werk von Sabine Moritz, die somit die Riege der Künstlerinnen in der Sammlung Viehof um eine Position erweitert. 

Das Werk "Columbus, 2025" zeigt ein dichtes Geflecht aus gestischen, überlagernden Pinselbewegungen in kräftigen, teils kontrastierenden Farben. Die Komposition wirkt bewusst offen und nicht hierarchisch: Es gibt kein zentriertes Motiv, sondern ein allover-artiges Feld in dem sich Formen andeuten und wieder auflösen. Maltechnisch verbindet das Werk eine expressive, beinahe impulsive Geste mit kontrollierten Farbübergängen. Die sichtbaren Pinselspuren und das Nebeneinander von transparenten und pastosen Partien erzeugen Tiefe, ohne einen illusionistischen Raum zu behaupten. Der Titel verweist weniger auf eine konkrete Darstellung als auf das Motiv der "Entdeckung" - verstanden als ambivalenter, historisch belastender Akt. Farbschichten verdecken sich gegenseitig, Linien drängen nach vorne und brechen wieder ab. Statt klarere Orientierung entsteht ein visuelles Terrain, das ständig in Bewegung ist. Damit steht "Columbus" exemplarisch für Moritz' Ansatz, historische oder begriffliche Referenzen nicht erzählerisch auszuformulieren, sondern in eine offene, malerische Struktur zu übersetzen. 

Arnuf Rainer (1929 - 2021) - Ein Nachruf 01.01.2026
Arnuf Rainer (1929 - 2021) - Ein Nachruf

Arnulf Rainer
Schwarze Übermalung 1960
Öl auf Leinwand
50 x 70 cm

© Arnulf Rainer
Foto: Archiv Sammlung Viehof

Am 18. Dezember verstarb Arnulf Rainer, der in der Sammlung Viehof mit vier Werken vertreten ist. 

Rainer ist einer der bedeutendsten österreichischen Künstler der Nachkriegszeit und eine zentrale Figur der internationalen Moderne. Bekannt wurde der in Baden bei Wien geborene Künstler vor allem durch seine Übermalungen, bei denen bestehende Bilder, Fotografien oder Selbstportraits mit gestischen, oft dunklen Farbspuren überarbeitete, Damit stellte er traditionelle Vorstellungen von Schönheit, Vollendung und Autorenschaft radikal in Frage. 

Seine Kunst ist stark von existentiellen Themen wie Schmerz, Tod, Spiritualität und innerer Spannung geprägt. Rainer verstand Malerei weniger als Abbild der äußeren Welt, sondern als Ausdruck innerer Zustände. Durch diese Haltung wurde er zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Informel, Abstraktem Expressionismus und Konzeptkunst. Er hatte große Einfluss auf die nachfolgenden Künstlergenerationen und wurde international ausgestellt. Sein Werk ist wegweisend, weil es die Grenzen der Malerei neu definierte und den künstlerischen Akt selbst ins Zentrum rückte. 

Highlights aus der Sammlung Viehof 31.03.2026
Highlights aus der Sammlung Viehof

Thomas Struth

Einzelner Löwenzahn – N° 37, Düsseldorf,
Neanderstraße 25 1993, 1993, C-Print, 39,2 x 57,8 cm

© Thomas Struth, 2026

Im Jahre 2008 konnte die Sammlung Viehof ein ganz besonderes Konvolut von Fotoarbeiten erwerben. Es handelt sich um die 101 C-Prints aus der Serie Winterthur von Thomas Struth. Die Sammlung Viehof ist weltweit die einzige Kunstsammlung, in der sich so viele Arbeiten dieser Serie befinden. Die Blumenbilder und Landschaften von Thomas Struth entstanden zwischen 1991 und 1993 als Auftragsarbeit für die Krankenzimmer einer Privatklinik im schweizerischen Winterthur.

Natur, soweit das Auge reicht. Eine eher triviale, schlichte Thematik, so der erste Gedanke, wird doch das Pflanzen- und Blumenmotiv in unserer heutigen Kultur vorrangig als dekorativ wahrgenommen. . Von bloßem »Dekor« kann hier allerdings keine Rede sein. In den Blumenbildern, die aus großer Nähe, in verschiedensten Blickwinkeln und teilweise über- und unterbelichtet aufgenommen worden sind, geht es Struth nicht um die Darstellung von Vollkommenheit. Vielmehr thematisieren die Aufnahmen die fantastische lebendige Vielfalt an sich, die sich – wie die das Zimmer bewohnenden Patient*innen – nicht im stabilen Gleichgewicht befindet, sondern im Fluss der Zeit. Struth zeigt mitunter noch geschlossene Knospen, bereits welkende Blüten, schiefe Äste und vertrocknete Blätter. Die Blumen und Landschaften haben nicht die Absicht, nur dem Auge zu schmeicheln. Es geht auch nicht um eine schematisch angelegte botanische Klassifizierung.
Dann wäre die eine Löwenzahnblüte Einzelner Löwenzahn – N°37, Düsseldorf, Neanderstraße 25 1993 stellvertretend für alle existierenden Löwenzahnblüten zu verstehen. Struth hingegen geht es allein um diese eine Blüte, mit eben diesen einzigartigen Merkmalen. Die Blume wird hier in starker Vergrößerung unverfälscht als verletzliches Individuum porträtiert. Die konkrete Verortung im Titel unterstreicht dies noch einmal.

Text: Annika Forjahn, in: Freischwimmer - Fotografie der Sammlung Viehof und des Museum Kurhaus Kleve, 2020, S. 88-97 

 

Neu gepolt 01.05.2026
Neu gepolt

Detailansicht auf Magnetspannung umgerüsteter Rahmen   / Konzept und Durchführung Diplom-Rest. Marion Korb

Foto: Marion Korb

Teil der Sammlungsphilosophie ist eine fundierte restauratorische Betreuung aller Kunstwerke, die neben der akuten Schadensbehandlung in erster Linie den Fokus auf die Schadensprävention legt. Dies umfasst die richtige Lagerung, eine mit den restauratorischen Anforderungen abgestimmte Präsentationsweise in Ausstellungen sowie natürlich ein individuelles Handling. Ausgefallene Materialien und Techniken stellen dabei für die Restauratoren und Restauratorinnen, die für die Sammlung Viehof tätig sind, nicht selten neue Herausforderungen dar. Hinsichtlich der Lösungen solcher Aufgabenstellungen gibt es immer wieder Innovationen, die adaptiert werden und somit das Handling stark erleichtern können. Ein Beispiel hierzu gibt der Bereich der großen Leinwandarbeiten.

Unsere Sammlung umfasst neben Gemälden, die dauerhaft aufgespannt sind, auch Arbeiten, die wegen ihrer Größe nur auf Rolle eingelagert und transportiert werden können. Werden diese für eine Ausstellung angefragt, wird die Leinwand am Ausstellungsort unter Anweisungen von Fachleuten aufgespannt. Bei der herkömmlichen Aufspannung wird der Rand der Leinwand an der Seite oder der Rückwand des Spannrahmens angetackert. Somit werden Leinwand sowie Rahmen bei jedem Auf- und Abspannvorgang beansprucht. In Fällen, in denen die ganze Stofffläche bemalt wurde, wird sogar die äußerste Malschicht perforiert. Eine herkömmliche Möglichkeit, den Materialverschleiß wenigstens hinsichtlich des Gemäldes zu verringern ist, einen allseitigen Randsaum anzunähen, der zukünftig als Befestigungsgrund am Rahmen genutzt wird. Es gibt jedoch ein neueres, noch schonenderes Verfahren, bei dem die Leinwand mit einem Magnetsystem aufgespannt wird. Auf den Rahmen werden dünne Metallschienen montiert. Die Leinwand wird zwischen diesen Schienen und starken kleinen Magneten eingeklemmt. Dies bietet den Vorteil, dass kein Eingriff in das Originalmaterial der Leinwand selbst vorgenommen werden muss. 

Die Abbildung links zeigt ein solches, auf Magnet-Aufspannung umgerüstetes Werk, in dem Falle von Jörg Immendorff, dessen Länge über sieben Meter beträgt.

Katalog zur Ausstellung 01.08.2025

Zur Ausstellung "Remix - Von Katharina Grosse bis Gerhard Richter" (2025), ist ein umfassender Hardcover-Katalog in deutsch-englischer Sprache erschienen. Auf 208 Seiten finden sich 130 Farbabbildungen, die sämtliche ausgestellte Werke zeigen. Allen KünstlerInnen ist jeweils ein Text gewidmet.

ISBN 978-3-422-80324-4

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