Jörg Sasse im Ruhr Museum, Essen 26.03.2026
Jörg Sasse im Ruhr Museum, Essen

Foto: © Jörg Sasse
Courtesy Galerie Wilma Tolksdorf / Jörg Sasse

Jörg Sasse, der von 2003 bis 2007 eine Professur für Dokumentarfotografie an der Folkwang Universität der Künste innehatte, bringt mit SPEICHER II ein Werk ins Ruhr Museum, das Fotografie, Skulptur und Archiv auf besondere Weise verbindet.

Die Dauerausstellung des Ruhr Museums zeigt auf der 17-Meter-Ebene zeitgenössische Phänomene vor allem in Fotografien. Der SPEICHER II tritt mit dieser Präsentation in einen offenen Dialog und erweitert sie um eine interaktive Dimension. Der SPEICHER II ist ein mobiles Depot (Maße 190 x 150 x 90 cm), das von allen vier Seiten zugänglich ist. Dem Prinzip einer digitalen Bilddatenbank folgend ist er quasi ein dreidimensionales, begehbares Fotoarchiv. In ihm sind 512 gerahmte Fotografien aus dem Ruhrgebiet der 1950er- bis 2009er-Jahre untergebracht, welche mithilfe von 56 Kategorien, wie zum Beispiel Alltag, Arbeitsplätze, Bewohner, Innen und Außen, Rituale, Winter, Wohnhäuser oder Zuhause, von den Besucherinnen und Besuchern ausgewählt und kombiniert werden können. Die Fotografien stammen teils aus anonymen Quellen oder fotografischen Nachlässen aus dem Ruhrgebiet, teils vom Künstler selbst. Aus ursprünglich rund 2.000 Bildern wurde eine Auswahl getroffen und anschließend so bearbeitet, dass sie in ihrer visuellen Erscheinung zusammenwirken.

[...] Ab sofort spricht das Ruhr Museum jeden Donnerstag um 15.30 Uhr eine "Einladung zum Bilderhängen" aus. Gemeinsam mit einer Gästeführerin oder einem Gästeführer suchen Besucherinnen und Besucher Fotografien aus dem SPEICHER II aus. Die gewählten Bilder werden aus dem Archiv entnommen, neu kombiniert und zu einer eigenen Präsentation zusammengestellt. Anschließend finden sie ihren Platz an der Wand neben dem SPEICHER II. So entstehen immer wieder überraschende Bilddialoge, neue Perspektiven und unerwartete Zusammenhänge [...].

Quelle: Press Release Ruhr Museum, Essen

>> zur Ausstellung, Webseite Ruhr Museum 
>> Jörg Sasse im Gespräch - Ein Interview 

Sabine Moritz in der Sammlung Viehof 16.01.2026
Sabine Moritz in der Sammlung Viehof

Sabine Moritz
Columbus, 2025
200 x 200 cm 
Öl auf Leinwand

Foto: Farbanalyse
© the artist // Courtesy of the artist and Pilar Corrias, London

Die jüngste Angliederung an die Sammlung Viehof ist ein Werk von Sabine Moritz, die somit die Riege der Künstlerinnen in der Sammlung Viehof um eine Position erweitert. 

Das Werk "Columbus, 2025" zeigt ein dichtes Geflecht aus gestischen, überlagernden Pinselbewegungen in kräftigen, teils kontrastierenden Farben. Die Komposition wirkt bewusst offen und nicht hierarchisch: Es gibt kein zentriertes Motiv, sondern ein allover-artiges Feld in dem sich Formen andeuten und wieder auflösen. Maltechnisch verbindet das Werk eine expressive, beinahe impulsive Geste mit kontrollierten Farbübergängen. Die sichtbaren Pinselspuren und das Nebeneinander von transparenten und pastosen Partien erzeugen Tiefe, ohne einen illusionistischen Raum zu behaupten. Der Titel verweist weniger auf eine konkrete Darstellung als auf das Motiv der "Entdeckung" - verstanden als ambivalenter, historisch belastender Akt. Farbschichten verdecken sich gegenseitig, Linien drängen nach vorne und brechen wieder ab. Statt klarere Orientierung entsteht ein visuelles Terrain, das ständig in Bewegung ist. Damit steht "Columbus" exemplarisch für Moritz' Ansatz, historische oder begriffliche Referenzen nicht erzählerisch auszuformulieren, sondern in eine offene, malerische Struktur zu übersetzen. 

Neueröffnung des Wiener Aktionismus Museums - Auftakt Hermann Nitsch 01.03.2026
Neueröffnung des Wiener Aktionismus Museums - Auftakt Hermann Nitsch

Hermann Nitsch
Schüttbild (Kreuzwegstation), 1960
185 x 300 x 2,4 cm
Blut, Farbe auf Sackleinen
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Ab dem 25. März 2026 wird das Wiener Aktionismus Museum nach Umbau, Erweiterung und Modernisierung wiedereröffnet. Das Haus widmet sich der radikalen Kunstbewegung des Wiener Aktionismus, der in den 1960er und 1970er Jahren entstand. Künstler wie Hermann Nitsch, Günter Brus, Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler gehören zu den bedeutendsten Vertretern der Bewegung, die als der wichtigster Beitrag zur Kunst des 20. Jahrhunderts aus Österreich gilt. Ausgangspunkt war die radikale Materialität und eine tiefe Verwurzelung im gesellschaftlichen Umbruch der 1960er Jahre. Die Leinwand wurde nicht mehr nur als Malgrund sondern als Raum begriffen, den es zu aktivieren galt. Anstelle von Farben wurden "reale" Substanzen wie Lebensmittel, Exkremente, Blut und Tierkadaver verwendet, um unmittelbare, oft schockierende physische Erfahrungen zu erzwingen. Die Grenzen der Normen und Themen der Identität wurden neu verhandelt, oft mit radikalem Einsatz des eigenen Körpers als Ort der Freiheit. Die Bewegung verstand sich als "Befreiungsschlag" gegen die als versteift, verstaubt erlebte österreichische Nachkriegsgesellschaft. 

Die Auftaktausstellung der Wiedereröffnung widmet sich dem Frühwerk von Hermann Nitsch und wird von der Sammlung Viehof mit insgesamt drei Leihgaben unterstützt. Die Ausstellung geht bis zum 5. Juli 2026. 

>>mehr Infos zur Ausstellung 

Arnuf Rainer (1929 - 2021) - Ein Nachruf 01.01.2026
Arnuf Rainer (1929 - 2021) - Ein Nachruf

Arnulf Rainer
Schwarze Übermalung 1960
Öl auf Leinwand
50 x 70 cm

© Arnulf Rainer
Foto: Archiv Sammlung Viehof

Am 18. Dezember verstarb Arnulf Rainer, der in der Sammlung Viehof mit vier Werken vertreten ist. 

Rainer ist einer der bedeutendsten österreichischen Künstler der Nachkriegszeit und eine zentrale Figur der internationalen Moderne. Bekannt wurde der in Baden bei Wien geborene Künstler vor allem durch seine Übermalungen, bei denen bestehende Bilder, Fotografien oder Selbstportraits mit gestischen, oft dunklen Farbspuren überarbeitete, Damit stellte er traditionelle Vorstellungen von Schönheit, Vollendung und Autorenschaft radikal in Frage. 

Seine Kunst ist stark von existentiellen Themen wie Schmerz, Tod, Spiritualität und innerer Spannung geprägt. Rainer verstand Malerei weniger als Abbild der äußeren Welt, sondern als Ausdruck innerer Zustände. Durch diese Haltung wurde er zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Informel, Abstraktem Expressionismus und Konzeptkunst. Er hatte große Einfluss auf die nachfolgenden Künstlergenerationen und wurde international ausgestellt. Sein Werk ist wegweisend, weil es die Grenzen der Malerei neu definierte und den künstlerischen Akt selbst ins Zentrum rückte. 

Highlights aus der Sammlung Viehof 31.03.2026
Highlights aus der Sammlung Viehof

Thomas Struth

Einzelner Löwenzahn – N° 37, Düsseldorf,
Neanderstraße 25 1993, 1993, C-Print, 39,2 x 57,8 cm

© Thomas Struth, 2025

Im Jahre 2008 konnte die Sammlung Viehof ein ganz besonderes Konvolut von Fotoarbeiten erwerben. Es handelt sich um die 101 C-Prints aus der Serie Winterthur von Thomas Struth. Die Sammlung Viehof ist weltweit die einzige Kunstsammlung, in der sich so viele Arbeiten dieser Serie befinden. Die Blumenbilder und Landschaften von Thomas Struth entstanden zwischen 1991 und 1993 als Auftragsarbeit für die Krankenzimmer einer Privatklinik im schweizerischen Winterthur.

Natur, soweit das Auge reicht. Eine eher triviale, schlichte Thematik, so der erste Gedanke, wird doch das Pflanzen- und Blumenmotiv in unserer heutigen Kultur vorrangig als dekorativ wahrgenommen. . Von bloßem »Dekor« kann hier allerdings keine Rede sein. In den Blumenbildern, die aus großer Nähe, in verschiedensten Blickwinkeln und teilweise über- und unterbelichtet aufgenommen worden sind, geht es Struth nicht um die Darstellung von Vollkommenheit. Vielmehr thematisieren die Aufnahmen die fantastische lebendige Vielfalt an sich, die sich – wie die das Zimmer bewohnenden Patient*innen – nicht im stabilen Gleichgewicht befindet, sondern im Fluss der Zeit. Struth zeigt mitunter noch geschlossene Knospen, bereits welkende Blüten, schiefe Äste und vertrocknete Blätter. Die Blumen und Landschaften haben nicht die Absicht, nur dem Auge zu schmeicheln. Es geht auch nicht um eine schematisch angelegte botanische Klassifizierung.
Dann wäre die eine Löwenzahnblüte Einzelner Löwenzahn – N°37, Düsseldorf, Neanderstraße 25 1993 stellvertretend für alle existierenden Löwenzahnblüten zu verstehen. Struth hingegen geht es allein um diese eine Blüte, mit eben diesen einzigartigen Merkmalen. Die Blume wird hier in starker Vergrößerung unverfälscht als verletzliches Individuum porträtiert. Die konkrete Verortung im Titel unterstreicht dies noch einmal.

Text: Annika Forjahn, in: Freischwimmer - Fotografie der Sammlung Viehof und des Museum Kurhaus Kleve, 2020, S. 88-97 

 

Neu gepolt 01.05.2026
Neu gepolt

Detailansicht auf Magnetspannung umgerüsteter Rahmen   / Konzept und Durchführung Diplom-Rest. Marion Korb

Foto: Marion Korb

Teil der Sammlungsphilosophie ist eine fundierte restauratorische Betreuung aller Kunstwerke, die neben der akuten Schadensbehandlung in erster Linie den Fokus auf die Schadensprävention legt. Dies umfasst die richtige Lagerung, eine mit den restauratorischen Anforderungen abgestimmte Präsentationsweise in Ausstellungen sowie natürlich ein individuelles Handling. Ausgefallene Materialien und Techniken stellen dabei für die Restauratoren und Restauratorinnen, die für die Sammlung Viehof tätig sind, nicht selten neue Herausforderungen dar. Hinsichtlich der Lösungen solcher Aufgabenstellungen gibt es immer wieder Innovationen, die adaptiert werden und somit das Handling stark erleichtern können. Ein Beispiel hierzu gibt der Bereich der großen Leinwandarbeiten.

Unsere Sammlung umfasst neben Gemälden, die dauerhaft aufgespannt sind, auch Arbeiten, die wegen ihrer Größe nur auf Rolle eingelagert und transportiert werden können. Werden diese für eine Ausstellung angefragt, wird die Leinwand am Ausstellungsort unter Anweisungen von Fachleuten aufgespannt. Bei der herkömmlichen Aufspannung wird der Rand der Leinwand an der Seite oder der Rückwand des Spannrahmens angetackert. Somit werden Leinwand sowie Rahmen bei jedem Auf- und Abspannvorgang beansprucht. In Fällen, in denen die ganze Stofffläche bemalt wurde, wird sogar die äußerste Malschicht perforiert. Eine herkömmliche Möglichkeit, den Materialverschleiß wenigstens hinsichtlich des Gemäldes zu verringern ist, einen allseitigen Randsaum anzunähen, der zukünftig als Befestigungsgrund am Rahmen genutzt wird. Es gibt jedoch ein neueres, noch schonenderes Verfahren, bei dem die Leinwand mit einem Magnetsystem aufgespannt wird. Auf den Rahmen werden dünne Metallschienen montiert. Die Leinwand wird zwischen diesen Schienen und starken kleinen Magneten eingeklemmt. Dies bietet den Vorteil, dass kein Eingriff in das Originalmaterial der Leinwand selbst vorgenommen werden muss. 

Die Abbildung links zeigt ein solches, auf Magnet-Aufspannung umgerüstetes Werk, in dem Falle von Jörg Immendorff, dessen Länge über sieben Meter beträgt.

Katalog zur Ausstellung 01.08.2025

Zur Ausstellung "Remix - Von Katharina Grosse bis Gerhard Richter", die noch bis zum 07. September 2025 in der Albertina Modern Wien zu sehen ist, ist ein umfassender Hardcover-Katalog in deutsch-englischer Sprache erschienen. Auf 208 Seiten finden sich 130 Farbabbildungen, die sämtliche ausgestellte Werke zeigen. Allen KünstlerInnen ist jeweils ein Text gewidmet.

ISBN 978-3-422-80324-4

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Katalog zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg 01.10.2016 - 22.01.2017 07.07.2023
Katalog zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg 01.10.2016 - 22.01.2017

Cover: Norbert Schwontkowski, 4 Gespenster enthüllen ein Denkmal, 2005 (c) The estate of Norbert Schwontkowski

Mit der Sammlung Viehof präsentierten die Deichtorhallen Hamburg vom 1. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017 an zwei Standorten, der Halle für aktuelle Kunst sowie der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg, die Sammlung Viehof. Durch rund 560 Werke von 75 Künstlern wurden die Deichtorhallen in ein temporäres Museum der Gegenwartskunst verwandeln.

Die Sammlung Viehof, in die wichtige Teile der Sammlung Speck und Sammlung Rheingold eingeflossen sind, vereint Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Installation und Video mit Schwerpunkt auf deutsche Kunst von der Nachkriegszeit bis heute. Im Zentrum der Ausstellung stehen hochkarätige Konvolute einzelner Künstler, darunter Georg Baselitz, Joseph Beuys, Candida Höfer, Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Daniel Richter und Rosemarie Trockel.

Die vollständig aus den Beständen der Sammlung gebildete und von Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow kuratierte Überblicksschau zeigte erstmals die Tiefe dieser Sammlung in einem Überblick: vom Minimalismus, für die Namen wie Carl Andre oder Dan Flavin stehen, über die 1980er Jahre in Köln, die von Walter Dahn, Georg Herold, Martin Kippenberger oder Albert Oehlen geprägt worden sind, die Düsseldorfer Fotoschule mit Candida Höfer, Thomas Struth, Thomas Ruff und Jörg Sasse bis hin zum zukunftsträchtigen Feld figurativer Kunst des 21. Jahrhunderts, das mit exemplarischen Werken von Peter Doig, Neo Rauch, Daniel Richter, Tal R, Corinne Wasmuht und vielen anderen mehr vertreten war.

Der Katalog zur Ausstellung ist weiterhin im Snoeck Verlag zu einem regulären Preis von 58 Euro erhältlich. Herausgegeben von Dirk Luckow, Essays von Philipp Kaiser, Dirk Luckow, Susanne Titz, Wolfgang Ullrich sowie Kurztexte zu einzelnen Sammlungsschwerpunkten. 360 Seiten, 300 farb. Abbildungen.

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