Neueröffnung des Wiener Aktionismus Museums - Auftakt Hermann Nitsch 29.01.2026
Neueröffnung des Wiener Aktionismus Museums - Auftakt Hermann Nitsch

Hermann Nitsch
Schüttbild (Kreuzwegstation), 1960
185 x 300 x 2,4 cm
Blut, Farbe auf Sackleinen
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Mitte März 2026 wird das Wiener Aktionismus Museum nach Umbau, Erweiterung und Modernisierung wiedereröffnet. Das Haus widmet sich der radikalen Kunstbewegung des Wiener Aktionismus, der in den 1960er und 1970er Jahren entstand. Künstler wie Hermann Nitsch, Günter Brus, Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler gehören zu den bedeutendsten Vertretern der Bewegung, die als der wichtigster Beitrag zur Kunst des 20. Jahrhunderts aus Österreich gilt. Ausgangspunkt war die radikale Materialität und eine tiefe Verwurzelung im gesellschaftlichen Umbruch der 1960er Jahre. Die Leinwand wurde nicht mehr nur als Malgrund sondern als Raum begriffen, den es zu aktivieren galt. Anstelle von Farben wurden "reale" Substanzen wie Lebensmittel, Exkremente, Blut und Tierkadaver verwendet, um unmittelbare, oft schockierende physische Erfahrungen zu erzwingen. Die Grenzen der Normen und Themen der Identität wurden neu verhandelt, oft mit radikalem Einsatz des eigenen Körpers als Ort der Freiheit. Die Bewegung verstand sich als "Befreiungsschlag" gegen die als versteift, verstaubt erlebte österreichische Nachkriegsgesellschaft. 

Die Auftaktausstellung der Wiedereröffnung widmet sich dem Frühwerk von Hermann Nitsch und wird von der Sammlung Viehof mit insgesamt drei Leihgaben unterstützt. 

Sabine Moritz in der Sammlung Viehof 16.01.2026
Sabine Moritz in der Sammlung Viehof

Sabine Moritz
Columbus, 2025
200 x 200 cm 
Öl auf Leinwand

Foto: Farbanalyse
© the artist // Courtesy of the artist and Pilar Corrias, London

Die jüngste Angliederung an die Sammlung Viehof ist ein Werk von Sabine Moritz, die somit die Riege der Künstlerinnen in der Sammlung Viehof um eine Position erweitert. 

Das Werk "Columbus, 2025" zeigt ein dichtes Geflecht aus gestischen, überlagernden Pinselbewegungen in kräftigen, teils kontrastierenden Farben. Die Komposition wirkt bewusst offen und nicht hierarchisch: Es gibt kein zentriertes Motiv, sondern ein allover-artiges Feld in dem sich Formen andeuten und wieder auflösen. Maltechnisch verbindet das Werk eine expressive, beinahe impulsive Geste mit kontrollierten Farbübergängen. Die sichtbaren Pinselspuren und das Nebeneinander von transparenten und pastosen Partien erzeugen Tiefe, ohne einen illusionistischen Raum zu behaupten. Der Titel verweist weniger auf eine konkrete Darstellung als auf das Motiv der "Entdeckung" - verstanden als ambivalenter, historisch belastender Akt. Farbschichten verdecken sich gegenseitig, Linien drängen nach vorne und brechen wieder ab. Statt klarere Orientierung entsteht ein visuelles Terrain, das ständig in Bewegung ist. Damit steht "Columbus" exemplarisch für Moritz' Ansatz, historische oder begriffliche Referenzen nicht erzählerisch auzuformulieren, sondern in eine offene, malerische Struktur zu übersetzen. 

Arnuf Rainer (1929 - 2021) - Ein Nachruf 01.01.2026
Arnuf Rainer (1929 - 2021) - Ein Nachruf

Arnulf Rainer
Schwarze Übermalung 1960
Öl auf Leinwand
50 x 70 cm

© Arnulf Rainer
Foto: Archiv Sammlung Viehof

Am 18. Dezember verstarb Arnulf Rainer, der in der Sammlung Viehof mit vier Werken vertreten ist. 

Rainer ist einer der bedeutendsten österreichischen Künstler der Nachkriegszeit und eine zentrale Figur der internationalen Moderne. Bekannt wurde der in Baden bei Wien geborene Künstler vor allem durch seine Übermalungen, bei denen bestehende Bilder, Fotografien oder Selbstportraits mit gestischen, oft dunklen Farbspuren überarbeitete, Damit stellte er traditionelle Vorstellungen von Schönheit, Vollendung und Autorenschaft radikal in Frage. 

Seine Kunst ist stark von existentiellen Themen wie Schmerz, Tod, Spiritualität und innerer Spannung geprägt. Rainer verstand Malerei weniger als Abbild der äußeren Welt, sondern als Ausdruck innerer Zustände. Durch diese Haltung wurde er zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Informel, Abstraktem Expressionismus und Konzeptkunst. Er hatte große Einfluss auf die nachfolgenden Künstlergenerationen und wurde international ausgestellt. Sein Werk ist wegweisend, weil es die Grenzen der Malerei neu definierte und den künstlerischen Akt selbst ins Zentrum rückte. 

Katalog zur Ausstellung 01.08.2025

Zur Ausstellung "Remix - Von Katharina Grosse bis Gerhard Richter", die noch bis zum 07. September 2025 in der Albertina Modern Wien zu sehen ist, ist ein umfassender Hardcover-Katalog in deutsch-englischer Sprache erschienen. Auf 208 Seiten finden sich 130 Farbabbildungen, die sämtliche ausgestellte Werke zeigen. Allen KünstlerInnen ist jeweils ein Text gewidmet.

ISBN 978-3-422-80324-4

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Künstlerinnen in der Sammlung Viehof 31.07.2025
Künstlerinnen in der Sammlung Viehof

Louise Lawler 
Hotel Room, Köln, 1989/2014
© Louise Lawler 
Courtesy: die Künstlerin / Galerie Sprüth Magers, London

Mit dem jüngsten Ankauf eines Werkes von Louise Lawler wird der Reihe der Künstlerinnen eine weitere Position hinzugefügt.

Die US-Amerikanische Konzeptkünstlerin hinterfragt mit ihren Arbeiten seit den 1970ern kritisch die Mechanismen des Kunstbetriebes. Sie ist vor allem für ihre Fotografien bekannt, die Kunstwerke nicht in Museen oder Galerien, sondern in privaten Sammlungen, Lagerhallen, bei Auktionen oder in Hotelräumen zeigt. Dabei lenkt sie den Blick auf den Kontext, in dem Kunst präsentiert, besessen und konsumiert wird. Lawlers Arbeiten stellen Fragen zur Autorschaft, zum Werst von Kunst und zur Rolle von Institutionen. Ihr präziser, oft ironischer Blick macht sichtbar, wie stark Bedeutung und Wahrnehmung von Kunst durch ihren sozialen und ökonomischen Rahmen geprägt ist. Lawler zeigt in ihren Arbeiten auf, dass Kunst immer immer im Kontext wahrgenommen wird, der ihre Wahrnehmung beeinflusst.

Highlights aus der Sammlung Viehof 04.02.2025
Highlights aus der Sammlung Viehof

Thomas Struth

Einzelner Löwenzahn – N° 37, Düsseldorf,
Neanderstraße 25 1993, 1993, C-Print, 39,2 x 57,8 cm

© Thomas Struth, 2025

Im Jahre 2008 konnte die Sammlung Viehof ein ganz besonderes Konvolut von Fotoarbeiten erwerben. Es handelt sich um die 101 C-Prints aus der Serie Winterthur von Thomas Struth. Die Sammlung Viehof ist weltweit die einzige Kunstsammlung, in der sich so viele Arbeiten dieser Serie befinden. Die Blumenbilder und Landschaften von Thomas Struth entstanden zwischen 1991 und 1993 als Auftragsarbeit für die Krankenzimmer einer Privatklinik im schweizerischen Winterthur.

Natur, soweit das Auge reicht. Eine eher triviale, schlichte Thematik, so der erste Gedanke, wird doch das Pflanzen- und Blumenmotiv in unserer heutigen Kultur vorrangig als dekorativ wahrgenommen. . Von bloßem »Dekor« kann hier allerdings keine Rede sein. In den Blumenbildern, die aus großer Nähe, in verschiedensten Blickwinkeln und teilweise über- und unterbelichtet aufgenommen worden sind, geht es Struth nicht um die Darstellung von Vollkommenheit. Vielmehr thematisieren die Aufnahmen die fantastische lebendige Vielfalt an sich, die sich – wie die das Zimmer bewohnenden Patient*innen – nicht im stabilen Gleichgewicht befindet, sondern im Fluss der Zeit. Struth zeigt mitunter noch geschlossene Knospen, bereits welkende Blüten, schiefe Äste und vertrocknete Blätter. Die Blumen und Landschaften haben nicht die Absicht, nur dem Auge zu schmeicheln. Es geht auch nicht um eine schematisch angelegte botanische Klassifizierung.
Dann wäre die eine Löwenzahnblüte Einzelner Löwenzahn – N°37, Düsseldorf, Neanderstraße 25 1993 stellvertretend für alle existierenden Löwenzahnblüten zu verstehen. Struth hingegen geht es allein um diese eine Blüte, mit eben diesen einzigartigen Merkmalen. Die Blume wird hier in starker Vergrößerung unverfälscht als verletzliches Individuum porträtiert. Die konkrete Verortung im Titel unterstreicht dies noch einmal.

Text: Annika Forjahn, in: Freischwimmer - Fotografie der Sammlung Viehof und des Museum Kurhaus Kleve, 2020, S. 88-97

 

Neuerwerbung der Sammlung Viehof 02.11.2024
Neuerwerbung der Sammlung Viehof

Sebastian Riemer
Archer (Tenney)
150 x 127 cm
Pigment Print

Copyright: Sebastian Riemer

Die Sammlung Viehof hat mit einem ihrer jüngsten Ankäufe die Künstlerliste um eine Position in der Sparte Fotografie erweitert. Seit 2006 entwickelt der Düsseldorfer Künstler Sebastian Riemer immer wieder Serien, die den dokumentarischen Anspruch der Fotografie thematisieren, beleuchten und hinterfragen. In seiner Serie Press Paintings beschäftigt sich der Künstler mit historischen Fotos von Presseagenturen, die im analogen Zeitalter üblicherweise mit Hilfe von Farbe retuschiert wurden. Die von ihm in einem langen Suchprozess ausgewählten Vorlagen werden akribisch analysiert und jeweils individuell bearbeitet. Der Eingriff geschieht hierbei nicht im Motiv selbst. Durch hochauflösende starke Vergrößerung, die zu einer Verschiebung in der Wahrnehmung und Herauslösung aus dem originalen Kontext führt, werden Zufälligkeiten hervorgehoben und neue Betrachtungsansätze generiert.

Riemer sagt dazu: "Es ist mir wirklich wichtig, die Materialität und die Alterung der Abzüge ganz deutlich zu zeigen, deshalb wende ich einen fotografischen Prozess an, um sie durch Vergrößerung sichtbar zu machen. Aber ich will auch den fotografierten Personen und Sujets, die auf verschiedene Weise verändert wurden, eine gewisse Würde zurückgeben. Einige von ihnen wurden grausam misshandelt. Deshalb wähle ich oft einen Maßstab, der nah an der Lebensgröße des Abgebildeten liegt, wodurch der Abstand zwischen dem Bildgehalt der alten Abzüge und dem neuen Bildgehalt der originär nicht intendierten Elemente (der Retusche und den Alterserscheinungen) betont wird. Manchmal erscheinen auch die teilweise sehr akkuraten kleinteiligen Retuschen in der Vergrößerung "ungelenk", erinnern eher an kräftige Pinselstriche, wie man sie im Feld der bildenden Kunst kennt, denn an ihre handwerklich angewandte Herkunft. Es gefällt mir außerdem, diesen krassen Vergrößerungsakt so zu betrachten, als würde ich dabei Pseudofresken aus antiken Zeiten der Bildproduktion ausgraben und freilegen. Größe ist hier wirklich entscheidend."

Sebastian Riemer im Gespräch mit David Campany, in: Sebastian Riemer, Press Paintings, S. 283

Großskulptur von Andreas Schmitten am Frankfurter Flughafenbahnhof 07.06.2024
Großskulptur von Andreas Schmitten am Frankfurter Flughafenbahnhof

Andreas Schmitten
IMMATERIELLES
Copyright: Andreas Schmitten
Foto: ARCHIV SAMMLUNG VIEHOF

Rund 33.000 Reisende passieren täglich den Fernbahnhof Frankfurt Flughafen, der damit der größte Flughafenbahnhof Deutschlands ist. Hier wurde am 6. Juni 2024 die über fünf Meter hohe Skulptur IMMATERIELLES von Andreas Schmitten enthüllt. Makellos weiß lackiert, ruht der Kopf, getragen von gleich drei Händen über dem sich stetig in alle Richtungen verteilenden Menschenstrom. Die Skulptur bildet mit ihren geschwungenen organischen Formen einen Kontrast zu der statischen, geometrischen Struktur der Bahnhofsarchitektur, der daran erinnert, dass in diesem sachlichen Funktionsgebäude mit seiner Technik und den möglichst atomatisierten und getakteten Abläufen dennoch das Lebewesen Mensch im Mittelpunkt mit seinem Bedürfnis nach Nähe, Interaktion und Körperlichkeit steht.

Die Arbeit von Schmitten ist die zweite Skulptur der Bahnhofs-Kulturreihe "Station to Station", die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. vom Bund initiiert wird. Die Version IMMATERIELLES in der Höhe von zwei Metern befindet sich seit April 2024 in der Sammlung Viehof.

 

Aufstellungsort:
Frankfurt Flughafen Fernbahnhof | Ebene 3
Hugo-Eckener-Ring, 60549 | Frankfurt am Main

--> zum Projekt Station to Station

 

Ankauf Jongsuk Yoon für die Sammlung Viehof 20.03.2024
Ankauf Jongsuk Yoon für die Sammlung Viehof

Jongsuk Yoon 
Kumgangsan, 2021
195 x 350 cm
Courtesy: the artist [&] Galerie nächst St. Stephan
© The artist 

 

Jongsuk Yoon - Begegnung zweier Welten

In den großformatigen Bildern der in Korea geborenen, in Düsseldorf lebenden Künstlerin, treffen kontrastreich die Tradition der europäischen Landschaftsmalerei mit der asiatischen Malweise aufeinander. Die Farbfelder, die sich mitunter in transparenter Leichtigkeit überschneiden, sind mal glatt, mal mit deutlich sichtbarem Pinselstrich aufgetragen und lassen traumhafte Landschaften entstehen, die keinen Inhalt als sich selbst haben und somit keine Geschichte erzählten. In Jongsuk Yoons Bildern bleibt die Zeit gewissermaßen stehen, was sie zu Orten des Verweilens macht. Drei Landschafsbilder wurden nun für die Sammlung Viehof angekauft, darunter die Arbeit mit dem Titel "Kumgangsan", der nach einer Bergregion innerhalb des Taebaek-Gebirges an der Ostküste Nordkoreas und der Grenze zu Südkorea benannt ist und konkret auf die Wurzeln der Künstlerin verweist.

 

Neuerwerbung der Sammlung Viehof 27.02.2024
Neuerwerbung der Sammlung Viehof

Meuser 
Windhose / Stahl, Ölfarbe / 160 x 70 x 70 cm

Foto: Wolfgang Günzel
Courtesy: Galerie Bärbel Grässlin, Frankfurt a.M., und Meuser
© The artist

Meuser

Die Sammlung Viehof, welcher derzeit rund 1.500 Werke angegliedert sind, verfolgt auch weiterhin die kontinuierliche Ergänzung ihres Bestandes. Dabei setzt sich die Sammlerfamilie zum Ziel, Künstler*innen nicht nur einmalig anzukaufen, sondern deren Schaffen weiterzuverfolgen und frühere Arbeiten bei Bedarf immer wieder zu ergänzen und Lücken zu füllen.

Neben dem erstmaligen Ankauf von Arbeiten von Künstler*innen wie Sarah Morris oder Jongsuk Yoon wurde Anfang 2024 auch der Bestand der Meuser-Arbeiten um eine aktuelle Arbeit ergänzt. Die ersten Ankäufe von Meusers Werken fanden Anfang der 2000er Jahre statt. Der Altbestand von bisher 10 Arbeiten wurde nun um die Arbeit "Windhose" aus dem Jahr 2020 erweitert.

 

Neu gepolt 16.11.2023
Neu gepolt

 

Detailansicht auf Magnetspannung umgerüsteter Rahmen   / Konzept und Durchführung Diplom-Rest. Marion Korb

Foto: Marion Korb 

Teil der Sammlungsphilosophie ist eine fundierte restauratorische Betreuung aller Kunstwerke, die neben der akuten Schadensbehandlung in erster Linie den Fokus auf die Schadensprävention legt. Dies umfasst die richtige Lagerung, eine mit den restauratorischen Anforderungen abgestimmte Präsentationsweise in Ausstellungen sowie natürlich ein individuelles Handling. Ausgefallene Materialien und Techniken stellen dabei für die Restauratoren und Restauratorinnen, die für die Sammlung Viehof tätig sind, nicht selten neue Herausforderungen dar. Hinsichtlich der Lösungen solcher Aufgabenstellungen gibt es immer wieder Innovationen, die adaptiert werden und somit das Handling stark erleichtern können. Ein Beispiel hierzu gibt der Bereich der großen Leinwandarbeiten.

Unsere Sammlung umfasst neben Gemälden, die dauerhaft aufgespannt sind, auch Arbeiten, die wegen ihrer Größe nur auf Rolle eingelagert und transportiert werden können. Werden diese für eine Ausstellung angefragt, wird die Leinwand am Ausstellungsort unter Anweisungen von Fachleuten aufgespannt. Bei der herkömmlichen Aufspannung wird der Rand der Leinwand an der Seite oder der Rückwand des Spannrahmens angetackert. Somit werden Leinwand sowie Rahmen bei jedem Auf- und Abspannvorgang beansprucht. In Fällen, in denen die ganze Stofffläche bemalt wurde, wird sogar die äußerste Malschicht perforiert. Eine herkömmliche Möglichkeit, den Materialverschleiß wenigstens hinsichtlich des Gemäldes zu verringern ist, einen allseitigen Randsaum anzunähen, der zukünftig als Befestigungsgrund am Rahmen genutzt wird. Es gibt jedoch ein neueres, noch schonenderes Verfahren, bei dem die Leinwand mit einem Magnetsystem aufgespannt wird. Auf den Rahmen werden dünne Metallschienen montiert. Die Leinwand wird zwischen diesen Schienen und starken kleinen Magneten eingeklemmt. Dies bietet den Vorteil, dass kein Eingriff in das Originalmaterial der Leinwand selbst vorgenommen werden muss. 

Die Abbildung links zeigt ein solches, auf Magnet-Aufspannung umgerüstetes Werk, in dem Falle von Jörg Immendorff, dessen Länge über sieben Meter beträgt.

Dieter Nuhr 27.06.2022
Dieter Nuhr

Dieter Nuhr 
Skye 01, 2018 / Foto auf Textil / 60 x 60 cm
Courtesy by the artist [&] Galerie Löhrl 

Eine neue Position für die Sammlung Viehof

Über 20 Arbeiten von Dieter Nuhr befinden sich mittlerweile im Privatbesitz der Familie Viehof. Dieser über die letzten Jahre erweiterte und fein aus verschiedenen Werkgruppen ausgesuchte Bestand wird fortan offiziell der Sammlung zur Verfügung gestellt. 

 Schon lange gehört Dieter Nuhr zu den bekanntesten Satirikern Deutschlands. Dass er sich nach dem Kunststudium mit dem Schwerpunkt Malerei der Fotografie verschrieben hat, wissen dagegen vermutlich nur die Wenigsten.  Die Arbeiten entstehen auf seinen Reisen durch abgelegene und exotische Orte auf der ganzen Welt, die Nuhr in nahezu archivarischer Weise festhält.

 „Im Rahmen meiner Lebensraumerkundung im Reisen mache ich mir ein Bild von der Welt. Sich umschauen, sehen, erfahren, archivieren, da ist der Sinn des Reisens wie des Lebens. Wir bewegen uns durch Zeit und Raum, erfahren, handeln und erinnern“, so Dieter Nuhr.

Doch Nuhrs Fotografien sind mehr als die Momentaufnahme von Orten und Gegenständen. Durch subjektiv gewählte Ausschnitte und Bildkomposition erschafft der Künstler eigenständige, losgelöst vom dinglichen Kontext bestehende Bilder, die der abstrakten Malerei näherzustehen scheinen als der Fotografie. Nuhr bezeichnet diese Transformation als „digitale Malerei“. Die Fotoarbeit wird zu mehr als einem reinen Abbild. Poetisch aufgeladen verbinden sich in Nuhrs Bildern Gesehenes mit subjektiven Erinnerungen und Vorstellungen. Abbild der Wirklichkeit, reale Stofflichkeit und ungreifbares Irreales durchwirken sich gegenseitig.  

Der Künstler erklärt: „Ein Bild ist eine Reflexionsfläche. Das Bild der Landschaft ist der Anlass zum bewussten Wahrnehmen und Assoziieren. Was der Betrachter aus dem Bild mitnimmt und was er für Gedanken entwickelt, bleibt ihm überlassen. Kunst ist immer nur ein Vorschlag.“ 

 

Katalog zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg 01.10.2016 - 22.01.2017 07.07.2023
Katalog zur Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg 01.10.2016 - 22.01.2017

Cover: Norbert Schwontkowski, 4 Gespenster enthüllen ein Denkmal, 2005 (c) The estate of Norbert Schwontkowski

Mit der Sammlung Viehof präsentierten die Deichtorhallen Hamburg vom 1. Oktober 2016 bis zum 22. Januar 2017 an zwei Standorten, der Halle für aktuelle Kunst sowie der Sammlung Falckenberg in Hamburg-Harburg, die Sammlung Viehof. Durch rund 560 Werke von 75 Künstlern wurden die Deichtorhallen in ein temporäres Museum der Gegenwartskunst verwandeln.

Die Sammlung Viehof, in die wichtige Teile der Sammlung Speck und Sammlung Rheingold eingeflossen sind, vereint Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Installation und Video mit Schwerpunkt auf deutsche Kunst von der Nachkriegszeit bis heute. Im Zentrum der Ausstellung stehen hochkarätige Konvolute einzelner Künstler, darunter Georg Baselitz, Joseph Beuys, Candida Höfer, Jörg Immendorff, Sigmar Polke, Daniel Richter und Rosemarie Trockel.

Die vollständig aus den Beständen der Sammlung gebildete und von Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow kuratierte Überblicksschau zeigte erstmals die Tiefe dieser Sammlung in einem Überblick: vom Minimalismus, für die Namen wie Carl Andre oder Dan Flavin stehen, über die 1980er Jahre in Köln, die von Walter Dahn, Georg Herold, Martin Kippenberger oder Albert Oehlen geprägt worden sind, die Düsseldorfer Fotoschule mit Candida Höfer, Thomas Struth, Thomas Ruff und Jörg Sasse bis hin zum zukunftsträchtigen Feld figurativer Kunst des 21. Jahrhunderts, das mit exemplarischen Werken von Peter Doig, Neo Rauch, Daniel Richter, Tal R, Corinne Wasmuht und vielen anderen mehr vertreten war.

Der Katalog zur Ausstellung ist weiterhin im Snoeck Verlag zu einem regulären Preis von 58 Euro erhältlich. Herausgegeben von Dirk Luckow, Essays von Philipp Kaiser, Dirk Luckow, Susanne Titz, Wolfgang Ullrich sowie Kurztexte zu einzelnen Sammlungsschwerpunkten. 360 Seiten, 300 farb. Abbildungen.

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