Anne Imhof Not to be, 2024
Arcyl auf Aluminium 260 x 285 cm Courtesy: Courtesy of the artist & Galerie Sprüth Magers Foto: Ugo Carmeni

Zur Person

geboren 1978 in Gießen
lebt und arbeitet in Berlin

Nach einem Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule Offenbach, studierte Anne Imhof ab 2008 bis 2012 an der Städelschule Frankfurt als Meisterschülerin von Judith Hopf weiter. Die Künstlerin lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin und Paris.

Imhofs künstlerisches Schaffen ist zwischen Malerei, Performance und Zeichnung angesiedelt. Für ihre oft mehrstündigen Performances arbeitet sie meist mit einem Ensemble von wiederkehrenden Darstellern, wie etwa ihrer Partnerin Eliza Douglas, zusammen. In den Aufführungen werden durch die Körpersprache und häufig repetitiven Gesten der Akteure Machtverhältnisse und -verschiebungen ausgelotet. 2015 erhielt Imhof den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst für ihre Installation Rage. 2017 erhielt sie auf der Venedig Biennale den Goldenen Löwen für Faust, ihren Beitrag zum deutschen Pavillon. Unter und über der in die Räume montierten Glasböden bewegten sich die Performer und vollführten zunächst banal erscheinende, oft improvisierte, Bewegungen. Trotz des Glases war es, wie in vielen anderen von Imhofs Arbeiten, dem Zuschauer nicht möglich, das gesamte Geschehen zu überblicken, was den beabsichtigten Eindruck von Handlung jenseits von konkreter Produktion verstärkte.

Anne Imhofs Arbeiten werden immer wieder in bedeutenden Institutionen präsentiert, u.a. Hamburger Bahnhof - Museum der Gegenwart (2015), MoMA PS1 (2015), Deutscher Pavillon- Venedig Biennale (2017), Bundeskunsthalle Bonn (2018), Tate Modern, London (2019), Stedelijk Museum, Amsterdam (2022), Kunsthaus Bregenz (2024). 



Text zum Werk

Die monumentale Aluminium-Arbeit "No to be" eröffnet dem Betrachter einen dunklen, bedrohlich wirkenden Farbraum, dessen nicht ganz symmetrische Form und die angeschnittenen grünen Streifen für ein instabiles, beinahe schwankendes Gesamtbild sorgen. Die hellen, schwebenden, faserartigen Linienbündel, die sich erst beim genaueren Hinsehen als übereinander liegende, teilweise entzifferbare kaligrafischen Buchstaben entpuppen, vermitteln ein intensives Gefühl von Inkonsistenz, Auflösung und ständiger Bewegung. Hier trifft eine strenge, fast mathematische Komposition auf eine energetische performative Bewegung – die Buchstaben erscheinen wie ein Stimmengewirr, das sich permanent verändert und neu formiert. Dadurch entsteht ein organischer Körper, der zwischen Bewegung und Verharren gefangen scheint. Die Deutung wird verstärkt, wenn man die subtil eingefügte Symbolik hinzuzieht. Das Biohazard-Symbol, das stark von der Schrift überlagert wird, offenbart sich erst nach längerer Betrachtung . Es kennzeichnet den Raum als lebensfeindlich, was den Kreis zum existentialistischen Titel "Not to be" schließt. 

Quelle: Eigentext