Zur Person
geboren 1960 in Ypern, Belgien
lebt und arbeitet in Brüssel und Berlin
Edith Dekyndt absolvierte von 1978 bis 1980 ein Bachelor-Studium der Visuellen Kommunikation am E.T.H. in Saint-Ghislain. Danach wechselte sie an die Kunsthochschule École des Beaux-Arts ins Mons und machte ihren Master unter der Leitung des Künstlers Gabriel Belgeonne.
Die Konzept- und Installationskünstlerin arbeitet medienübergreifend mit Video, Skulptur, Installation, Zeichnung und Performance. In ihren Werken erforscht sie physikalische, chemische und vergängliche Phänomene, um unsichtbare Kräfte der Natur und Umwelt erfahrbar zu machen. In ihren minimalistisch anmutenden Arbeiten nutzt sie instabile oder vergängliche Substanzen wie zum Beispiel Staub, Haare, Textilien, Wasser, Blut oder Hefekulturen, die sie in experimentellen, laborartigen Verfahren physikalischen Transformationsprozessen unterwirft. Hier spielen spielen Zeit und Vergänglichkeit eine zentrale Rolle, die zu aktiven Gestaltern ihrer Arbeiten werden.
Text zum Werk
Die Arbeit Unterground 04 (Lens) stammt aus einer Serie, für die Dekyndt häuft einfache gebrauchte Vorhänge oder Stoffbahnen verwendet, die oft selbst schon eine eigene "Lebensgeschichte" innehaben. Sie vergräbt diese Stoffstücke an verschiedenen Orten, lässt sie dort über Wochen oder Monate liegen und gräbt sie später wieder aus.
In dieser Zeit in der Erde verfärbt sich der Stoff, zersetzt sich und auf die Oberflächen setzen sich mineralische Stoffe ab. So entsteht eine natürliche entstandene Zeichnung. Hier tritt der Faktor Zeit als schöpferische Kraft auf, der eine zufällige Veränderung nach sich zieht, die dann zu einem gewissen Zeitpunkt aufgehalten und archiviert wird. Über die stoffliche Ebene hinaus gibt es auch eine metaphorische Bedeutung. Ein Vorhang kennzeichnet den Übergang zwischen Räumen, das davor und dahinter. Durch die gezielte Zersetzung wird diese Trennung transparenter, durchsichtiger, die Funktion als Blickschutz verwundet.