Sebastian Riemer Archer (Tenney), 2020
Pigment Print 150 x 127 cm © Sebastian Riemer Courtesy: The artist Foto: The artist

Zur Person

geboren 1982 in Oberhausen
lebt und arbeitet in Düsseldorf

Sebastian Riemer studierte von 2002 bis 2010 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Thomas Ruff, dessen Meisterklasse er besuchte, und Christopher Williams. 2006 studierte er im Rahmen eines DAAD-Auslandsstipendiums (Deutscher Akademischer Austauschdienst) an der Akademie der Bildenden Künste Krakau.

2015 war Sebastian Riemer Träger des Förderpreises des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler. 2017 war Sebastian Riemer Artist in Residency der Cary und Dan Bronner Stiftung in Tel Aviv.

Seit 2006 entwickelt Sebastian Riemer immer wieder Serien, die den dokumentarischen Anspruch der Fotografie thematisieren und beleuchten und damit auch immer hinterfragen. In seiner Serie Press Paintings beschäftigt sich der Künstler mit historischen Fotos von Presseagenturen, die im analogen Zeitalter üblicherweise mit Hilfe von Farbe retuschiert wurden. Die von ihm gefundenen Vorlagen werden akribisch analysiert und jeweils individuell bearbeitet. Der Eingriff geschieht nicht im Motiv selbst. Durch hochauflösende starke Vergrößerung, was zu einer Verschiebung in der Wahrnehmung führt und der Herauslösung aus dem originalen Kontext, werden der Fokus verschoben, neue Betrachtungsansätze generiert und Zufälligkeiten hervorgehoben.

Riemer sagt dazu: "Es ist mir wirklich wichtig, die Materialität und die Alterung der Abzüge ganz deutlich zu zeigen, deshalb wende ich einen fotografischen Prozess an, um sie durch Vergrößerung sichtbar zu machen. Aber ich will auch den fotografierten Personen und Sujets, die auf verschiedene Weise verändert wurden, eine gewisse Würde zurückgeben. Einige von ihnen wurden grausam misshandelt. Deshalb wähle ich oft einen Maßstab, der nah an der Lebensgröße des Abgebildeten liegt, wodurch der Abstand zwischen dem Bildgehalt der alten Abzüge und dem neuen Bildgehalt der originär nicht intendierten Elemente (der Retusche und den Alterserscheinungen) betont wird. Manchmal erscheinen auch die teilweise sehr akkuraten kleinteiligen Retuschen in der Vergrößerung "ungelenk", erinnern eher an kräftige Pinselstriche, wie man sie im Feld der bildenden Kunst kennt, denn an ihre handwerklich angewandte Herkunft. Es gefällt mir außerdem, diesen krassen Vergrößerungsakt so zu betrachten, als würde ich dabei Pseudofresken aus antiken Zeiten der Bildproduktion ausgraben und freilegen. Größe ist hier wirklich entscheidend."

Sebastian Riemer im Gespräch mit David Campany, in: Sebastian Riemer, Press Paintings, S. 283



Text zum Werk

Der Sebastian sagt über seine Serie "Press Paintings", zu der auch das jüngst von der Sammlung Viehof erworben Werk Archer (Tenney) gehört:

"Es ist mir wirklich wichtig, die Materialität und die Alterung der Abzüge ganz deutlich zu zeigen, deshalb wende ich einen fotografischen Prozess an, um sie durch Vergrößerung sichtbar zu machen. Aber ich will auch den fotografierten Personen und Sujets, die auf verschiedene Weise verändert wurden, eine gewisse Würde zurückgeben. Einige von ihnen wurden grausam misshandelt. Deshalb wähle ich oft einen Maßstab, der nah an der Lebensgröße des Abgebildeten liegt, wodurch der Abstand zwischen dem Bildgehalt der alten Abzüge und dem neuen Bildgehalt der originär nicht intendierten Elemente (der Retusche und den Alterserscheinungen) betont wird. Manchmal erscheinen auch die teilweise sehr akkuraten kleinteiligen Retuschen in der Vergrößerung "ungelenk", erinnern eher an kräftige Pinselstriche, wie man sie im Feld der bildenden Kunst kennt, denn an ihre handwerklich angewandte Herkunft. Es gefällt mir außerdem, diesen krassen Vergrößerungsakt so zu betrachten, als würde ich dabei Pseudofresken aus antiken Zeiten der Bildproduktion ausgraben und freilegen. Größe ist hier wirklich entscheidend."

Sebastian Riemer im Gespräch mit David Campany, in: Sebastian Riemer, Press Paintings, S. 283