Thomas Struth Beam Line Zone 1, EHN 1, CERN, Prévessin-Moens, 2021
Injektprint Bildmaß: 170 x 436,3 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: Thomas Struth

Zur Person

geboren 1954 in Geldern
lebt und arbeitet in Berlin und New York

"Von 1973 bis 1980 studierte Thomas Struth an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. 1978 erhielt er das erste von der Kunstakademie Düsseldorf vergebene Stipendium für New York City, wo eine Serie von schwarzweißen Stadtlandschaften entstand, welche er 1978 in seiner ersten Einzelausstellung im P.S.1, New York, präsentierte.
Mitte der 1980er Jahre begann er eine Serie von Schwarzweiß- und Farbporträts von Einzelpersonen und Familien, die seine Vorstellung von der Fotografie als Werkzeug wissenschaftlichen Ursprungs zur psychologischen Erforschung veranschaulicht. Diese fortlaufende Arbeit untersucht zum einen persönliche und kulturelle Dynamiken, die unsere Selbstwahrnehmung konditionieren, zum anderen überprüft sie, wie unsere individuellen und kollektiven Identitäten diese Wahrnehmung beeinflussen.
In der Folge der Porträtarbeiten und unter dem Eindruck der wachsenden Popularität der zeitgenössischen Kunst entwickelte Struth seine bekannteste Werkgruppe, die Museum Photographs (1989–2005): In großformatigen Farbfotografien fängt er in den weltweit bedeutendsten Museen Individuen und Menschenmengen ein, die auf ikonische Werke der westlichen Kunst blicken. Diese Bilder kennzeichnen den Museumsbesuch als einen komplexen sozialen Ritus des Sehens und Gesehenwerdens und thematisieren das Überleben der Werke in öffentlichen Sammlungen.
In den letzten fünfzehn Jahren hat Struth sein Repertoire um weitere Themenkreise erweitert. Darunter zu nennen sind: New Pictures from Paradise (1998–2007), religiöse und touristische Versammlungsorte (ab 1998) und seit 2007 Bilder aus den Bereichen Grundlagenforschung, Wissenschaft, industrielle Produktion und Technik, in denen es darum geht, wie sich Fortschrittsglaube als gruppendynamischer Vorgang plastisch darstellt.
Umfangreiche Einzelausstellungen seiner Arbeiten wurden u. a. in der Kunsthalle Bern (1987), im Institute of Contemporary Art, Boston (1994), im Carré d’Art – Musée d’Art Contemporain de Nîmes (1998), im National Museum of Modern Art Tokyo und Kyoto (2000), im Dallas Museum of Art (2002), im Museo del Prado, Madrid (2007) sowie im Metropolitan Museum of Art, New York (2003 und 2014) präsentiert.
Eine große Retrospektive wanderte vom Kunsthaus Zürich (2010) über die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20, Düsseldorf (2011), zur Whitechapel Gallery, London (2011), und dem Museu Serralves in Porto (2011/12)."

Text: Atelier Thomas Struth, Berlin
www.thomasstruth32.com



Text zum Werk

Die monumentale Fotoarbeit "Beam Line Zone 1, EHN 1, CERN, Prévessin-Moens" gehört zu seiner Serie "Nature & Politics", die sich mit einer tiefgreifenden visuellen Untersuchung befasst, wie sich menschlicher Ehrgeiz, Forschung und der Drang die Natur zu beherrschen in hochkomplexen physischen Strukturen manifestieren. Wissen wird weiter ausgedehnt, um die Natur zu bezwingen. Dafür begibt sich Thomas Struth an Orte, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind. Hierzu gehören Forschungslabore, Operationssäle oder Raumstationen. Bewusst ist der Mensch in seiner körperlichen Erscheinung in den Bildern ausgeklammert, doch ist er in seinen Schöpfungen allgegenwärtig präsent. Die Bilder verzichten auf dramatische Effekte und setzen stattdessen auf extreme Detailtiefe und Klarheit, was zur Analyse unserer globalisierten, technisierten Welt einlädt. 

"Beam Line Zone 1" ist mit seinen Maßen von ca. 170 x 436 cm extrem großformatig. Es zeigt eine Teilchenstrahllinie in der großen Versuchshalle EHN1 (Experimental Hall North Area 1) am CERN. Es ist eine panoramische, immersive Aufnahme, die technisches Chaos – Kabel, Rohre, Magnete – in einer fast ordnungsgemäßen, ästhetischen Struktur einfängt. Der zentrale Blickpunkt zieht den Betrachter förmlich ins Bild hinein.  
Die Arbeit wurde Anfang 2026 an die Sammlung Viehof angegliedert und ergänzt damit die 101-teilige Winterthur-Serie sowie die in der Sammlung vorhandenen Paradiese, die sich mit Naturdarstellungen beschäftigen. Weitere Infos zur Winterthur-Serie gibt es auf der Seite News (einer der unteren Beiträge). >> Mehr zur Winterthur-Serie finden Sie hier.